Schifffahrt: Weniger Vertrauen in alternative Antriebe trotz Irankrise
Schifffahrt: Weniger Vertrauen in alternative Antriebe

Die Energiewende in der Schifffahrt gerät ins Stocken. Das zeigt eine jährliche Umfrage der Internationalen Schifffahrts-Kammer (ICS) unter ihren Mitgliedern. Demnach stieg das Vertrauen in konventionellen Öl-Kraftstoff von 41 auf 50 Prozent – und das trotz der weltweiten Probleme infolge des Irankriegs. Gleichzeitig sank das Vertrauen in alternative Antriebsformen dramatisch: Nur noch zwölf Prozent der befragten Führungskräfte glauben, dass Ammoniak im kommenden Jahrzehnt kommerziell nutzbar sein könnte. Im Vorjahr waren es noch 31 Prozent. Bei Wasserstoff fiel das Vertrauen von 18 auf zehn Prozent. Die „Financial Times“ (FT) berichtete zuerst über die Erhebung.

Kunden zahlen nicht für grüne Transporte

Als maßgeblichen Grund nennt der Bericht einen Stimmungsumschwung unter den Kunden. Immer weniger seien bereit, für weniger schädliche Transportformen einen Aufpreis zu zahlen. „Alle wollen umweltfreundlich sein, aber niemand will dafür bezahlen“, zitiert die FT Alexander Saverys, Vorstandsvorsitzender von CMB Tech, einem der größten börsennotierten Schifffahrtsunternehmen. Diese Haltung untergräbt die Bemühungen der Branche, die Emissionen zu senken.

IMO-Ziele praktisch gescheitert

Obwohl sich die 176 Mitgliedsländer der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) darauf geeinigt hatten, die Schifffahrtsemissionen bis 2050 auf Netto-Null zu reduzieren, gilt dieser Vorschlag praktisch als gescheitert. Ursprünglich war geplant, eine weltweite Bepreisung von CO₂-Emissionen in der Schifffahrt einzuführen. Dies scheiterte unter anderem an einer Blockade durch die USA. Laut FT ist der globale CO₂-Ausstoß in der maritimen Schifffahrt seit 2020 Jahr für Jahr weiter gestiegen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Alternative Kraftstoffe nicht ausreichend

Viele Reedereien argumentieren, dass die Versorgung mit grünem Wasserstoff, Ammoniak und Methanol selbst dann nicht ausreichen würde, wenn die gesamte Produktion direkt in die Schifffahrt fließen würde. Der Wechsel auf weniger klimaschädliche Antriebsformen ist jedoch wichtig, weil neu gebaute Schiffe in der Regel für Jahrzehnte eingesetzt werden. Eine positive Entwicklung gibt es immerhin bei Frachtschiffen mit Windantrieb: Ihre Zahl hat kürzlich erstmals die Marke von 100 weltweit überschritten.

Atomkraft als Alternative?

Einige Unternehmen setzen dagegen auf einen lange bekannten, aber hochumstrittenen Antrieb: die Atomkraft. Ob sich dieser Trend durchsetzt, bleibt abzuwarten. Die Umfrage zeigt insgesamt, dass die Schifffahrtsbranche vor einem Dilemma steht: Einerseits wollen viele Unternehmen klimafreundlicher werden, andererseits sind Kunden nicht bereit, die Mehrkosten zu tragen. Die Krise an der Straße von Hormus hat die Anfälligkeit der globalen Lieferketten deutlich gemacht, doch das Vertrauen in fossile Brennstoffe bleibt vorerst ungebrochen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration