Nolans „Odyssee“: Historisch frei, filmisch gewaltig – eine Kritik
Nolans „Odyssee“: Historisch frei, filmisch gewaltig

Christopher Nolan hat mit „Die Odyssee“ sein bislang ehrgeizigstes Werk vorgelegt. Der Film, der auf Homers Epos basiert, startet in den deutschen Kinos und polarisiert bereits im Vorfeld. Nolan, bekannt für Meisterwerke wie „Inception“ und „Interstellar“, wagt sich an einen Stoff, der seit Jahrtausenden die Menschheit fasziniert. Doch geht die Rechnung auf?

Historische Freiheiten und filmische Wucht

Nolan nimmt sich, wie gewohnt, kreative Freiheiten. Die Handlung weicht in mehreren Punkten von der klassischen Vorlage ab. So wird die Rolle der Athene, gespielt von Zendaya, deutlich ausgebaut. Sie agiert nicht nur als göttliche Beschützerin, sondern auch als Erzählerin, die den Zuschauer durch die zehnjährige Irrfahrt des Odysseus führt. Matt Damon in der Hauptrolle überzeugt als vielschichtiger Held, der zwischen List und Verzweiflung schwankt.

Die visuelle Umsetzung ist atemberaubend. Nolan setzt auf praktische Effekte und reale Drehorte, was dem Film eine erdige, greifbare Qualität verleiht. Die Schlacht um Troja wird in einer einzigen, atemlosen Kamerafahrt gezeigt – ein Meisterstück der Inszenierung. Die mythologischen Kreaturen, von den Sirenen bis zum Zyklopen, wirken durch die Kombination aus Animatronik und digitalen Effekten erschreckend real.

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Kritik an der Länge und Erzählstruktur

Mit einer Laufzeit von 175 Minuten fordert Nolan die Geduld des Publikums heraus. Die nichtlineare Erzählweise, die bereits in „Memento“ und „Dunkirk“ zum Einsatz kam, wird auch hier angewendet. Das mag nicht jedem Zuschauer gefallen. Die Zeitebenen springen zwischen Odysseus‘ Gegenwart auf der Insel der Kalypso und seinen Rückblicken. Alexandra Schaller, verantwortliche Podcast- und Audioredakteurin der Funke Mediengruppe, urteilt: „Der Film ist ein visuelles Spektakel, aber erzählerisch nicht immer zugänglich. Nolans Ehrgeiz ist bewundernswert, doch die historischen Freiheiten werden Puristen stören.“

Schauspielerische Glanzleistungen

Neben Matt Damon und Zendaya glänzt die Riege der Nebendarsteller. Robert Pattinson als Odysseus‘ Sohn Telemachos bringt eine jugendliche Wut und Verletzlichkeit in die Rolle. Anne Hathaway als Penelope zeigt eine stille Stärke, die den langen Jahren der Trennung Ausdruck verleiht. Besonders hervorzuheben ist die Darstellung des Zyklopen Polyphem durch ein Motion-Capture-Verfahren, das dem Riesen eine unheimliche Menschlichkeit verleiht.

Fazit: Ein ambitioniertes Epos mit Ecken und Kanten

„Die Odyssee“ ist kein einfacher Film. Nolan bleibt seinem Stil treu: komplex, visuell überwältigend und intellektuell fordernd. Wer mit der nichtlinearen Erzählweise und den mythologischen Abweichungen leben kann, wird mit einem der beeindruckendsten Filme des Jahres belohnt. Die Rechnung geht auf – aber nur für jene, die bereit sind, sich auf Nolans Vision einzulassen.

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