Die schwedische Mezzosopranistin Anne Sofie von Otter hat am vergangenen Abend in der Berliner Philharmonie ein bemerkenswertes Konzert gegeben, das die Grenzen zwischen klassischer Musik und populären Genres verschwimmen ließ. Das Programm, das unter dem Motto „Crossover“ stand, umfasste Werke von Komponisten wie Henry Purcell und Georg Friedrich Händel ebenso wie Stücke von Pop-Ikonen wie Kate Bush und Elvis Costello.
Ein Abend der musikalischen Vielfalt
Von Otter, die für ihre Interpretationen von Barockmusik und Opernrollen weltweit bekannt ist, präsentierte sich in Berlin als wandlungsfähige Künstlerin, die sich nicht scheut, traditionelle Erwartungen zu durchbrechen. Begleitet wurde sie von ihrem langjährigen Ensemble, dem „Swedish Chamber Orchestra“ unter der Leitung von Thomas Dausgaard. Das Konzert war Teil einer Europa-Tournee, die die Sängerin durch mehrere Hauptstädte führt.
Besonders begeistert zeigte sich das Publikum von einer Neuinterpretation des Bach’schen „Erbarme dich“ aus der Matthäus-Passion, die von Otter mit jazzigen Akkorden und einem modernen Rhythmusgefüge anreicherte. „Es geht nicht darum, die Originale zu verfälschen, sondern ihnen eine neue Perspektive zu geben“, erklärte die Künstlerin im Vorfeld des Konzerts.
Kritik und Begeisterung
Die Frage, ob Crossover eine „Sünde“ sein könne, wie der Titel des Konzerts suggeriert, wurde von der Sängerin selbst aufgegriffen. „Ich glaube, dass Musik keine Grenzen kennt. Wenn wir uns von diesen Grenzen lösen, entstehen neue künstlerische Ausdrucksformen“, sagte von Otter in einem Interview mit der Berliner Morgenpost. Die Reaktionen des Publikums waren überwiegend positiv: Viele Besucher lobten die Frische und Experimentierfreude der Darbietung. Einige Kritiker äußerten jedoch Bedenken, dass die klassischen Werke durch die popkulturelle Einbettung an Tiefe verlieren könnten.
Das Konzert war mit rund 2.200 Besuchern ausverkauft. Die Eintrittspreise lagen zwischen 35 und 120 Euro. Ein Teil der Erlöse fließt in die Nachwuchsförderung der Berliner Philharmoniker.
Hintergrund: Von Otters Karriere
Anne Sofie von Otter, Jahrgang 1955, gehört zu den führenden Mezzosopranistinnen ihrer Generation. Sie debütierte 1982 an der Königlichen Oper in Stockholm und hat seitdem auf den bedeutendsten Bühnen der Welt gesungen, darunter die Metropolitan Opera in New York und die Wiener Staatsoper. Ihr Repertoire umfasst über 100 Opernrollen und ein breites Spektrum an Liedern. In den letzten Jahren hat sie vermehrt mit Pop- und Jazzmusikern zusammengearbeitet, darunter Elvis Costello und Brad Mehldau.
Das Berliner Konzert war das erste von zwei Auftritten in Deutschland; ein weiteres Konzert ist für den 15. März in der Hamburger Elbphilharmonie geplant.



