Die Premiere von Richard Strauss‘ Oper „Ariadne auf Naxos“ bei den Salzburger Festspielen ist am Sonntagabend mit einem Weltraum-Konzept gescheitert. Das Publikum reagierte mit lautstarken Buhrufen und vereinzeltem Applaus. Die Inszenierung von Regisseur Max Mustermann, die die Handlung in ein Raumschiff verlegt, konnte weder musikalisch noch szenisch überzeugen.
Ein Raumschiff statt einer griechischen Insel
Mustermann verlegte die Handlung in die Zukunft: Statt der griechischen Insel Naxos dient ein Raumschiff als Schauplatz. Die Figuren erscheinen als Astronauten und Außerirdische. Diese Idee, so die Kritiker, gehe an der Musik von Strauss vorbei und zerstöre die fragile Balance zwischen Ernst und Komik, die das Werk auszeichnet.
Die musikalische Leitung hatte Dirigent Hans Muster, der das Orchester der Wiener Philharmoniker souverän führte. Doch auch er konnte die Schwächen der Inszenierung nicht ausgleichen. Die Sängerinnen und Sänger, darunter Sopranistin Anna Beispiel als Ariadne und Tenor Max Muster als Bacchus, zeigten solide Leistungen, blieben aber unter ihren Möglichkeiten.
Buhrufe nach der Premiere
Nach dem Schlussvorhang gab es ein geteiltes Echo: Während einige Zuschauer applaudierten, überwogen die Buhrufe. Die Premierenkritiken in den deutschen Feuilletons fielen überwiegend negativ aus. Die „Süddeutsche Zeitung“ sprach von einem „missglückten Experiment“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ von „ästhetischem Kitsch“.
Das Konzept, so die Kritiker, sei weder konsequent durchdacht noch visuell überzeugend. Die Bühnenbilder von Ausstatterin Bühne Bild zeigten zwar beeindruckende Raumschiff-Interieurs, doch die Handlung verliere sich in Effekten. Die Inszenierung schaffe es nicht, die existenziellen Fragen des Stücks – Einsamkeit, Tod und Erlösung – in der neuen Umgebung zu verankern.
Ein umstrittener Regiestil
Max Mustermann ist bekannt für seine provokativen Inszenierungen. Bereits in der Vergangenheit sorgte er mit Verlegungen in andere Epochen oder Milieus für Diskussionen. Doch diesmal, so einhellige Meinung, habe er die Grenze des Zumutbaren überschritten. Die Oper handle von der Kunst selbst, von der Beziehung zwischen Komponist und seiner Muse, und genau diese Meta-Ebene gehe im Weltraum-Szenario verloren.
Die Salzburger Festspiele hatten die Produktion als eines der Highlights des diesjährigen Programms angekündigt. Mit einer Auslastung von 98 Prozent waren die Vorstellungen im Großen Festspielhaus gut besucht. Doch der Erfolg an der Kasse täuscht nicht über den künstlerischen Misserfolg hinweg.
Stimmen aus dem Publikum
Ein Zuschauer, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“: „Ich bin enttäuscht. Die Musik war wunderbar, aber die Inszenierung hat mich nicht berührt. Das war Science-Fiction statt Oper.“ Eine andere Zuschauerin meinte: „Ich fand es mutig, aber am Ende zu konstruiert.“
Die Festspielleitung zeigte sich gelassen. Intendantin Festspielchefin sagte: „Wir stehen zu unserer Wahl. Kunst muss auch provozieren dürfen. Wir sind überzeugt, dass die Produktion mit jeder Aufführung wächst.“ Dennoch bleibt abzuwarten, ob das Publikum den weiteren Vorstellungen bis zum 31. August die Chance gibt, sich zu rehabilitieren.
Ein Blick auf die Musik
Musikalisch bot der Abend einige Höhepunkte: Das Vorspiel, in dem der junge Komponist um seine Musik kämpft, war intensiv gestaltet. Die Schlussszene, in der Bacchus und Ariadne sich finden, geriet zu einem großen Moment. Doch diese musikalischen Glanzlichter wurden von der szenischen Dürftigkeit überschattet.
Die Produktion wird noch bis Ende August gespielt. Ob sie sich zu einem Skandalerfolg entwickelt oder in der Versenkung verschwindet, wird sich zeigen. Fest steht: Die Salzburger Festspiele haben einmal mehr gezeigt, dass sie bereit sind, Risiken einzugehen – auch wenn diese nicht immer belohnt werden.
Fazit
Die Weltraum-Inszenierung von „Ariadne auf Naxos“ ist ein Fehlschlag. Sie verfehlt das Werk und lässt das Publikum ratlos zurück. Die Musik von Richard Strauss verdient eine bessere Präsentation.



