Uwe Steimle: Ermittlungen wegen grober Witze gegen Merz und Merkel bei AfD-Veranstaltung
Ermittlungen gegen Uwe Steimle nach AfD-Auftritt (17.07.2026)

Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen gegen den Kabarettisten Uwe Steimle eingeleitet. Grund sind grobe Witze über Friedrich Merz und Angela Merkel, die Steimle auf einer AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau gemacht haben soll. Der 61-Jährige, der sich selbst als „ostalgisch“ bezeichnet, hatte dort die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ angestimmt und sich gewünscht, es gäbe ein Attentat auf Kanzler Merz – analog zum Stauffenberg-Attentat auf Hitler.

Steimles Weg von der Bühne zur AfD-Nähe

Uwe Steimle, geboren 1963 in Dresden, begann seine Karriere 1989 im Dresdner Kabarett „Herkuleskeule“. Bekannt wurde er durch sein Programm „Ostalgie“ (1992), das er zusammen mit Tom Pauls entwickelte und das den Begriff medial prägte. Von 1993 bis 2009 spielte er im „Polizeiruf 110“ den Hauptkommissar Jens Hinrichs, wofür er 2005 den Grimme-Preis erhielt. Nachdem der NDR die Rolle 2009 beendete, sprach Steimle von einem „Dolchstoß“ und „Berufsverbot“ – ein Verschwörungsszenario, das sein Kollege Felix Eitner und der NDR unisono zurückwiesen.

Steimle war 2009 als Mitglied der Bundesversammlung für die Partei Die Linke nominiert und wählte dort den Schauspielkollegen Peter Sodann zum Bundespräsidenten. In den Folgejahren näherte er sich Pegida und den Querdenken-Protesten an. 2020 trat er in Leipzig als Erich-Honecker-Imitator auf, um gegen Corona-Maßnahmen zu protestieren. Sein Youtube-Kanal hat 192.000 Abonnenten, auf dem er eine Mischung aus Heimatliebe und Ost-Folklore präsentiert.

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Der Auftritt in Dessau-Roßlau

Am 14. Juli trat Steimle bei einer AfD-Veranstaltung in Dessau-Roßlau auf, begleitet von Parteigrößen wie Tino Chrupalla. Er stimmte die DDR-Hymne an und machte Witze über Merz und Merkel. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts der Beleidigung und der Verunglimpfung von Verfassungsorganen. Steimle selbst zeigte sich im Interview mit dem Internet-Radiosender „Kontrafunk“ erfreut darüber, dass die Zuschauer die Hymne textsicher mitsangen. Er sagte: „Ich bin nicht angekommen in der BRD. Wir sind ein besetztes Land. Und das ist eine Schande.“

Reaktionen und Einordnung

Steimle betont, er sei „ein alter Linker“ und lasse sich nicht zu einem „neuen Rechten“ machen. Er sehe sich in der Tradition des Kabarettisten, der gegen „die Herrschenden“ ankämpfe. Doch seine Äußerungen stoßen auf Kritik: Der Journalist und AfD-Mitglied Burkhard Müller-Ulrich, Gründer von „Kontrafunk“, interviewte Steimle. Die Ermittlungen dürften den Möchtegern-Widerständler eher freuen, da sie sein Narrativ vom „Staatsfernsehen“ und „Besatzungsmoderatoren“ bestätigen. Steimle hatte zuvor in einem Interview mit der „Jungen Freiheit“ die Bundesrepublik als „Besatzungsgebiet der USA“ bezeichnet und einen ZDF-Moderator mit dem DDR-Propagandisten Karl-Eduard von Schnitzler verglichen.

Die Entwicklung Steimles von der Linken über Pegida zur AfD-Nähe erscheint folgerichtig. Seine Mischung aus Ost-Stolz, Ost-Traumata und West-Ressentiments hat ihm ein treues Publikum eingebracht, aber auch zunehmend Kritik. Der Fall zeigt die Radikalisierung eines Künstlers, der einst für seine satirischen Programme geliebt wurde und nun wegen politischer Witze vor Gericht steht.

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