Die Berliner Filmemacherin Eva Trobisch hat mit ihrem neuen Film „Etwas ganz Besonderes“ einen vielbeachteten Beitrag zum deutschen Kino geliefert. Im Gespräch mit der Funke Mediengruppe erklärt sie, warum sie sich nicht „großmäulig verkaufen“ möchte und wie sie erst spät zu ihren Ostberliner Prägungen fand.
Ein Film über das Besondere im Alltäglichen
„Etwas ganz Besonderes“ erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die inmitten des Großstadttrubels nach ihrer Identität sucht. Trobisch, die in Berlin-Kreuzberg lebt und arbeitet, verwebt darin autobiografische Elemente mit fiktionalen Momenten. „Es geht um die Suche nach dem, was einen ausmacht, jenseits von Klischees und Erwartungen“, so die Regisseurin.
Der Film feierte seine Premiere auf der Berlinale und erhielt positive Kritiken. Besonders hervorgehoben wurde die authentische Darstellung des Berliner Lebensgefühls. Trobisch betont, dass sie bewusst auf übertriebene Dramatik verzichtet habe: „Ich mag mich nicht großmäulig verkaufen. Die leisen Töne sind oft die stärksten.“
Späte Auseinandersetzung mit den Ostberliner Wurzeln
Obwohl Trobisch in Ostberlin aufwuchs, dauerte es Jahre, bis sie sich künstlerisch mit dieser Vergangenheit auseinandersetzte. „Lange Zeit dachte ich, dass meine Geschichte nicht erzählenswert sei“, gesteht sie. Erst durch Gespräche mit anderen Künstlern und die Wiederentdeckung alter Fotos sei ihr bewusst geworden, wie prägend diese Zeit war. „Ostberlin hat mich geformt, auch wenn ich das lange verdrängt habe.“
In „Etwas ganz Besonderes“ finden sich nun subtile Verweise auf diese Herkunft: eine bestimmte Tapete in einer Wohnung, ein Lied aus den 80ern, die Architektur der Plattenbauten. „Es sind die kleinen Details, die eine Geschichte wahr machen“, erklärt Trobisch.
Ein Plädoyer für Authentizität
Die Filmemacherin kritisiert die Tendenz in der Filmbranche, sich ständig neu erfinden zu müssen. „Viele Regisseure versuchen, sich mit großen Gesten zu profilieren. Das ist nicht mein Weg.“ Stattdessen setzt sie auf Ehrlichkeit und Handwerk. Ihr Film sei ein Statement gegen die Oberflächlichkeit der modernen Gesellschaft.
„Ich möchte, dass die Zuschauer nach dem Kino das Gefühl haben, etwas wirklich Menschliches gesehen zu haben“, sagt Trobisch. „Nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Stück Wahrheit.“
Ausblick auf kommende Projekte
Derzeit arbeitet Trobisch an einem Drehbuch für ihren nächsten Film, der wieder in Berlin spielen soll. „Die Stadt ist unerschöpflich“, schwärmt sie. „Jeder Winkel hat eine Geschichte.“ Obwohl sie sich nicht festlegen möchte, deutet sie an, dass es erneut um persönliche Beziehungen und gesellschaftliche Brüche gehen wird. „Ich bleibe meinem Stil treu: leise, aber intensiv.“



