Die Designerin Marina Hoermanseder hat auf der Berlin Fashion Week ihre neueste Kollektion „Outer Space“ vorgestellt. Trotz persönlicher und beruflicher Herausforderungen zeigte sich die gebürtige Wienerin kämpferisch und lobte Berlin als Modestandort. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost sprach sie über Inspiration, den Spagat zwischen Familie und Karriere sowie ihre Verbundenheit zur Hauptstadt.
Hoermanseder verteidigt Berlin als Modestandort
Während namhafte Designer Berlin in letzter Zeit den Rücken gekehrt haben, stellt sich Hoermanseder demonstrativ hinter die Stadt. „Solange ich hier eine Show mache, spielt Berlin eine große Rolle. Wir reißen jedes Mal etwas“, sagte sie. Für Kollegen, die Berlin verlassen, hat sie wenig Verständnis: „Ich finde, wer jetzt weggeht, hat den Standort Berlin einfach nicht verstanden.“ Das Abwandern der alten Garde sieht sie als Chance für Neues. Sie reiht sich selbst in die Riege progressiver Brands wie GmbH oder Haderlump ein.
Die Kollektion „Outer Space“: Ein Mix aus Haute Couture und Popkultur
Die neue Kollektion „Outer Space“ ist ein exzentrischer Mix aus Haute Couture und Popkultur. „Die Inspiration kommt bei mir oft direkt aus den Stoffen. Geformtes Leder ist quasi meine weiße Leinwand“, erklärte Hoermanseder. Gemeinsam mit Swarovski applizierte sie Mondlandschaften auf Leder und setzte auf ihre ikonischen Schnallen. Popstars wie Katy Perry und Beyoncé tragen bereits ihre Entwürfe. Auf die Frage nach Inspiration aus Musikvideos antwortete sie: „Ich habe keine Zeit für Musikvideos. Ich glaube, es ist wichtiger, dass die Macher dieser Musikvideos sich täglich meine Kreationen anschauen.“
Einflüsse von Alexander McQueen und Berliner Freiheit
Große Inspiration zieht Hoermanseder aus ihrer Zeit bei Alexander McQueen, bei dem sie sechs Monate arbeitete. Für den finalen Look ihrer Show wandelte sie ein Haardesign von McQueen in ein spektakuläres Leder-Piece um. Warum sie 2010 nach Berlin zog? „Weil in Berlin alles erlaubt ist. Hier gibt es Menschen aus allen Kulturen und auch schräge Vögel“, sagte sie. In ihrem Berliner Atelier fühle sich jeder wie zu Hause, während man in Wien schon mit einer Jogginghose schief angeschaut werde.
Balanceakt zwischen Familie und Modezirkus
Die Tage vor der Show waren von einer emotionalen Extremsituation geprägt: Ihr zweijähriger Sohn musste nach einem medizinischen Notfall ins Krankenhaus. „Es war die absolute Katastrophe“, gestand Hoermanseder. Ihr Mann musste einen Geschäftstermin absagen. Mittlerweile geht es ihrem Sohn Fritzi wieder gut, und er verfolgte die Show gemeinsam mit seiner Schwester Lotti (5) im Publikum. Der Spagat zwischen internationalem Modegeschäft und Familie sei ein permanenter Balanceakt. „Die Nerven zerreißen regelmäßig. Aber der Stress aus der Arbeit wird irgendwie wieder gutgemacht mit der Liebe aus meiner Familie und der absoluten Wertschätzung, die ich von allen Seiten bekomme“, sagte sie.
Die Show: Glanzstück mit GNTM-Gewinnerin
Die Show im Haus der Visionäre war ein voller Erfolg. Das Glanzstück des Defilees trug GNTM-Gewinnerin Celine Bethmann, ebenfalls Wahl-Berlinerin. Die Kollektion umfasste spacige Schnallenröcke, Planetenkleider und luftige Astronauten-Kostüme, verziert mit Swarovski-Kristallen und Pop-Art-Elementen. Auch die Nagellack-Kooperation essie x Hoermanseder war Teil der Show.



