Das Paschinger Schlössl in Salzburg, einst Wohnsitz des Schriftstellers Stefan Zweig, soll nach dem Willen österreichischer Kulturschaffender öffentlich zugänglich werden. Der heutige Eigentümer Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef des Automobilkonzerns, hat die Immobilie auf der französischen Plattform „Le Figaro Properties“ für 12,7 Millionen Euro zum Verkauf angeboten. Eine Petition mit dem Titel „Öffentliche Stefan-Zweig-Villa“ fordert nun die Bundesregierung, das Land Salzburg und die Stadt Salzburg auf, das Anwesen zu erwerben.
Petition als kulturelle Pflicht
Die Initiatoren der Petition sehen darin eine „kulturelle Pflicht gegenüber künftigen Generationen“. In dem Text heißt es, die Gelegenheit solle „unbedingt ergriffen werden“, um das Haus als kulturelles Erbe zu erhalten und die Bedeutung für die österreichische und europäische Kulturgeschichte erlebbar zu machen. Zu den Unterzeichnern gehören unter anderem der Musiker Hubert von Goisern, Schauspieler Harald Krassnitzer, Dirigentin Elisabeth Fuchs, die Ehrenpräsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg Hanna Feingold sowie Salzburgs ehemaliger SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden.
Geschichte und Bedeutung des Anwesens
Stefan Zweig lebte bis 1934 in dem Anwesen, das zu seinen Lebzeiten ein kultureller Treffpunkt für prominente Persönlichkeiten wie James Joyce, Thomas Mann und Richard Strauss war. Auch Mozarts Schwester Nannerl hatte hier einst Klavierunterricht gegeben. Das 616 Quadratmeter große Schlösschen verfügt über zwölf Zimmer und ein Grundstück von mehr als 7800 Quadratmetern.
Hintergrund: Tunnelprojekt sorgte für Kontroversen
Bereits im vergangenen Jahr war Porsche mit dem Schlösschen in die Schlagzeilen geraten. Er plante eine unterirdische Zufahrt zu seinem Anwesen – einen 500 Meter langen Tunnel, der unter der Salzburger UNESCO-Weltkulturerbe-Zone verlaufen sollte. Das Projekt wurde im September von einem Stadtgremium bewilligt, stieß jedoch auf Widerstand von Aktivisten sowie Politikern der Grünen und der Kommunistischen Partei Österreichs. Aus Porsches Umfeld sei Kritik an angeblichem „Reichen-Bashing“ laut geworden – möglicherweise ein Grund für seine aktuellen Verkaufsüberlegungen.
Forderung nach öffentlicher Nutzung
Die Initiatoren der Petition sehen nun die „Möglichkeit, diesen einzigartigen Ort öffentlich zugänglich und nutzbar zu machen“. Sie richten ihren Appell an die österreichische Bundesregierung, die Landesregierung Salzburg und die Stadt Salzburg. Mit dem Erwerb der Villa solle ein kulturelles Erbe bewahrt werden, das für alle erlebbar sei.



