Potsdam Museum: 100 skurrile Straßenlaternen erzählen von der Lichtsuche der Stadt
Potsdams skurrile Straßenlaternen: Eine Sammlung der Lichtsuche

Potsdam sammelt Licht – zumindest in Form von Laternen. Rund 100 historische Straßenleuchten sind dem Potsdam Museum übergeben worden. Die meisten davon werden im Depot verschwinden, doch die Ausstellung und das Stadtbild erzählen noch immer von der Suche der Stadt nach dem perfekten Licht. Ein besonders sprechendes Beispiel ist das Wandbild „Potsdamer Alltag“ von Werner Nerlich aus dem Jahr 1966.

Ein Kunstwerk voller Lichtsymbolik

Als der Künstler und Kulturfunktionär Werner Nerlich 1966 sein Wandbild für das staatliche Kulturhaus Hans Marchwitza schuf, traf er eine erstaunliche Entscheidung. Statt Soldaten, Fahnenträger oder Arbeiterfäuste in den Mittelpunkt zu rücken, wählte er eine Laterne: den Typ „Potsdamer Ei“. Diese Szene verdeutlicht, wie sehr die Stadt seit jeher um die richtige Beleuchtung ringt – sei es für Sicherheit, Ästhetik oder Identität. Das Gemälde hängt noch heute im ehemaligen Kulturhaus und gilt als Symbol für die Sehnsucht nach Licht.

Die Sammlung der Straßenleuchten

Die rund 100 Leuchten, die dem Museum übergeben wurden, stammen aus verschiedenen Epochen und Stadtteilen. Dazu gehören nicht nur die ikonischen „Potsdamer Eier“, sondern auch Modelle wie der „Kochtopf“ oder der „Latsch“. Viele dieser Laternen wurden im Zuge von Modernisierungen abgebaut und fanden so den Weg ins Museum. Museumsdirektorin Dr. Julia Schreiber betonte: „Jede Laterne erzählt eine eigene Geschichte – von technischem Fortschritt, gestalterischem Ehrgeiz und dem Wandel des öffentlichen Raums.“ Allerdings werden die meisten Exemplare im Depot eingelagert, da Platzmangel in den Ausstellungsräumen herrscht.

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Potsdams Suche nach dem richtigen Licht

Die Leidenschaft für Straßenlaternen hat in Potsdam Tradition. Bereits im 19. Jahrhundert experimentierte die Stadt mit verschiedenen Leuchtmitteln, von Gas bis Elektrizität. Die „Potsdamer Eier“ wurden in den 1920er Jahren entworfen und prägten jahrzehntelang das Stadtbild. Heute sind sie vor allem in touristischen Vierteln noch zu finden. Die Sammlung des Museums zeigt, wie sehr Licht die Wahrnehmung einer Stadt beeinflusst. „Es ist nicht nur eine Frage der Helligkeit, sondern auch der Atmosphäre“, erklärte der Stadtplaner Thomas Lange. Die Ausstellung ist zwar nicht öffentlich zugänglich, aber der Verein „Potsdamer Lichtfreunde“ plant Führungen durch das Depot.

Die Übergabe der Laternen fällt in eine Zeit, in der Potsdam seine Beleuchtungskonzepte überdenkt. Neue LED-Modelle sollen Energie sparen, aber auch den historischen Charakter bewahren. Die Sammlung im Museum dient dabei als Referenz: Welche Laterne passt zu welcher Straße? Welches Licht schafft die gewünschte Stimmung? Die Antworten liegen oft im Depot – und im Wandbild von Werner Nerlich, das noch heute an die Kraft des Lichts erinnert.

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