RBB zieht keine Konsequenzen aus Nuhr-Witz
Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) wird angesichts der breiten öffentlichen Empörung über einen Witz von Dieter Nuhr aus der Sendung „Nuhr XXL“ keine Konsequenzen ziehen. Das erklärte die Intendantin Ulrike Demmer am Donnerstag in der Sitzung des RBB-Rundfunkrats. Der Witz, der auf Femizide anspielte, hatte für viel Kritik gesorgt, doch der Sender sieht den Programmauftrag nicht verletzt.
Der umstrittene Witz und die Reaktionen
In der Sendung vom 18. Juni hatte Nuhr auf humoristische Art Kritik an Pauschalurteilen geübt, die durch den Begriff „strukturell“ mit „dem Krönchen der Wissenschaft“ aufgehübscht würden. „Es gibt in Deutschland zig Millionen Männer“, sagte Nuhr auf der Bühne, die Wahrscheinlichkeit, bei 300 bis 350 Femiziden pro Jahr auf einen Frauenmörder zu treffen, sei also „praktisch null“. Er ergänzte: „Zur Sicherheit wäre es vielleicht besser, wenn man den Partner vor dem Geschlechtsverkehr einfach erstmal kennenlernt.“
Dieser Satz löste viel Kritik aus. Nuhr suggeriere damit, Frauen seien an Gewalt durch Männer, gar an Morden selbst schuld, so der gängige Vorwurf. Zahlreiche Programmbeschwerden sind eingegangen: 325 Beschwerden seien beim RBB zu diesem Thema derzeit in Prüfung, so Demmer, davon habe man 244 bislang als förmliche Programmbeschwerden eingestuft. Auch über andere Wege hätten den Sender zahlreiche weitere Zuschriften erreicht.
Kunstfreiheit als Schutzschild
Redaktionelle Folgen wird der Fall vorerst allerdings nicht haben. „Wir hören die Kritik, wir verstehen die Kritik und wir nehmen sie sehr ernst“, sagte Demmer und fügte dann hinzu: „Aber in Satire-Formaten gilt es, die künstlerische Freiheit zu achten. Vor dem Hintergrund der Kunstfreiheit darf Dieter Nuhr provozierend und zugespitzt formulieren. Es ist das Kerngeschäft von Satire, Dinge bewusst ins Gegenteil zu verkehren. Satire funktioniert durch Polarisierung und Zuspitzung und Satire genießt einen sehr weiten Schutz, das betont auch die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts regelmäßig.“
Mit dem Blick auf diesen sehr weiten Schutzbereich sehe man den Programmauftrag des RBB nicht verletzt. Es gehöre zur Demokratie, das auszuhalten. Für alle, „denen dieses Aushalten im konkreten Fall schwerfällt“, verwies sie zum Abschluss auf die „rund 300 Archiv-Beiträge, in denen der RBB substanziell, engagiert und mit großer Ernsthaftigkeit und Sorgfalt über Femizide berichtet hat“. Gewalt gegen Frauen sei ein gesellschaftliches Thema, dem der RBB dauerhaft Aufmerksamkeit schenke.
Nuhrs eigene Stellungnahme
Dieter Nuhr selbst hatte sich bereits in der vergangenen Woche zu dem Fall geäußert, auf konkrete Kritikpunkte ging er dabei allerdings nicht ein: „Habe ich nicht“, schrieb er auf Facebook, „Kein Witz über Femizide, nirgends. Habe ich noch nie gemacht. Werde ich nicht tun“, so Nuhr. Der Vorwurf sei lächerlich.



