Die Salzburger Festspiele starten am Samstag mit dem traditionellen „Jedermann“ in eine Saison voller künstlerischer Höhepunkte und personeller Turbulenzen. Nach dem vorzeitigen Ende der Intendanz von Markus Hinterhäuser im März übernimmt Karin Bergmann als erste Frau die Leitung des renommierten österreichischen Festivals. Das Programm umfasst zwei Uraufführungen von Literaturnobelpreisträgern sowie den Opernklassiker „Carmen“.
Hintergrund des Führungsstreits
Der Konflikt zwischen Hinterhäuser und dem Festspielkuratorium eskalierte im März, woraufhin sein Vertrag vorzeitig beendet wurde. Hinterhäuser, der sich selbst als „emotionalen, bisweilen auch impulsiven Charakter“ beschrieb, hatte zuvor Karin Bergmann als neue Theaterchefin vorgeschlagen. Bergmann wurde nun für die Jahre 2025 und 2026 zur Intendantin ernannt. Sie kritisierte, Hinterhäuser habe die Unwahrheit verbreitet, dass sie die Übernahme von langer Hand vorbereitet habe. „Er lehnt jedes Gespräch ab“, sagte Bergmann der Zeitschrift „Falter“. Hinterhäuser äußerte sich nicht öffentlich zu den Vorwürfen.
Hochkarätiges Theaterprogramm
Trotz der personellen Querelen hinterließ Hinterhäuser ein beeindruckendes Theaterprogramm für 2026. Mit Peter Handke und Elfriede Jelinek gewann er zwei Nobelpreisträger für Uraufführungen. Handkes Stück „Schnee von gestern, Schnee von morgen“ ist eine Meditation über Vergangenheit und Zukunft, ein gedankenreicher Spaziergang ohne Handlung. Jelineks „Unter Tieren“ rechnet mit der Welt der Banken und Investoren wie René Benko ab, wobei Schweine, Kühe und Hasen als Kapitalismuskritiker auftreten. Das Ensemble umfasst die bekannte Schauspielerin Caroline Peters.
Ulrich Rasche inszeniert Goethes „Faust“, und im „Jedermann“ spielt Roxane Duran die Buhlschaft an der Seite von Philipp Hochmair.
Opern-Highlights und Konzerte
Im Zentrum des Opernprogramms steht Bizets „Carmen“ unter der Regie von Choreografin Gabriela Carrizo. Asmik Grigorian singt die Titelrolle, am Pult steht Teodor Currentzis, der wegen seiner Nähe zu Russland in der Kritik steht. Weitere Neuproduktionen sind Richard Strauss‘ „Ariadne auf Naxos“ (Regie: Ersan Mondtag) und Olivier Messiaens „Saint François d‘Assise“ (Regie: Romeo Castellucci).
Das Konzertprogramm bietet Stars wie Martha Argerich, Yuja Wang und Igor Levit. Zwei Klavierauftritte von Hinterhäuser werden zusätzliche Aufmerksamkeit erregen.
Zugang für alle: Übertragungen und Tourneen
Bis Ende August stehen 208 Aufführungen an, der Verkauf der knapp 218.000 Tickets läuft hervorragend. Wer nicht nach Salzburg reisen kann, sieht „Carmen“ am 8. August auf Arte und „Ariadne“ am 15. August auf 3sat. Viele Theaterproduktionen gehen auf Tournee: Das Berliner Ensemble zeigt Handkes Stück in Berlin, das Thalia Theater spielt Molières „Menschenfeind“ in Hamburg, und das Wiener Burgtheater präsentiert Jelineks Werk.
Zukunft der Festspiele
Die Personalfrage ist mit Bergmanns Übergangslösung nicht langfristig geklärt. Hearings zur Besetzung des Intendantenpostens ab Herbst 2027 sind geplant; 17 Männer und vier Frauen haben sich beworben. Finanziell steht das Festival vor Herausforderungen: Der geplante Ausbau der Infrastruktur soll 519 Millionen Euro kosten, laut Rechnungshof könnte die Summe auf 635 Millionen Euro steigen, wie das Magazin „Profil“ berichtete.



