Die Tänzerin und Choreographin Sasha Waltz tritt erstmals seit 18 Jahren wieder als Tänzerin in einem ihrer Stücke im Berliner Radialsystem auf. Bei einer Pressekonferenz in dem ehemaligen Pumpwerk an der Spree sagte die 62-Jährige: „Ich hatte mir vorgenommen, dass ich, wenn ich 60 bin, wieder anfangen möchte. Das habe ich jetzt auch geschafft.“ Waltz wird ab dem 10. März in dem Stück „for the time being“ zu sehen sein.
„Ich habe es mir eigentlich fast in jedem Stück vorgenommen, doch irgendwie mitzutanzen“, erklärte Waltz. In „for the time being“ geht es um das kollektive Erleben von Momenten. Die Tänze sind improvisiert, es gibt kein Bühnenbild, da die Körper und das Erleben im Augenblick im Vordergrund stehen. Waltz tanzt gemeinsam mit etwa sechs weiteren Tänzerinnen und Tänzern. Das Publikum sitzt um die Tanzfläche herum, und Bewegungen oder Geräusche der Zuschauer können in den Tanz und die Musik von Komponist Diego Noguera einfließen.
Das Radialsystem bittet die Gäste, vor Betreten des Raumes die Schuhe auszuziehen und keine Mobiltelefone mitzunehmen. Waltz, gebürtige Karlsruherin, lebt und arbeitet in Berlin. Ihr Tanzensemble Sasha Waltz & Guests gilt als eine der wichtigsten Institutionen für zeitgenössischen Tanz.
Neben Waltz’ Comeback steht am 9. April ein weiterer bedeutender Auftritt im Radialsystem an: Die belarussische Bürgerrechtlerin Maria Kolesnikowa wird erstmals nach ihrem über fünfjährigen Gefängnisaufenthalt wieder auf einer Bühne stehen. In dem Stück „#freemaria“ wird die 43-jährige Musikerin Flöte spielen und „viel über Freiheit sprechen“, wie sie im Radialsystem verriet. Kolesnikowa war nach der Präsidentenwahl 2020 in Belarus festgenommen worden und saß eigenen Angaben zufolge mehr als zwei Jahre in Isolationshaft. Im vergangenen Dezember kam sie durch Druck der USA gemeinsam mit 120 anderen Gefangenen frei und lebt nun im Exil in Berlin.



