Am Schiffshebewerk Niederfinow im Landkreis Barnim wird an diesem Wochenende ein Stück Verkehrsgeschichte lebendig. Beim Treidelfest können Besucher im nachgebauten Kaffenkahn „Concordia“ die historische Technik des Treidelns erleben. Dabei wird das Schiff nicht von Motoren angetrieben, sondern vom Ufer aus von Mulis gezogen, wie Jan Mönikes, Geschäftsführer der SHW Tourismus- und Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Niederfinow mbH, mitteilte.
Fahrten und Dauer
Die ersten Fahrten beginnen bereits am Freitag an der Lieper Schleuse. Weitere Fahrten sind Samstag und Sonntag geplant. Hauptfesttag ist der Samstag. Eine Fahrt dauert etwa 45 Minuten.
„Treideln war das Normale“
Beim Treideln ziehen Tiere – früher auch Menschen – Schiffe über Treidelpfade entlang von Kanälen und Flüssen. Gerade auf engen und windstillen Wasserstraßen wie dem Finowkanal war diese Methode über Jahrhunderte unverzichtbar. „Das Treideln war dort, wo Schiffe nicht segeln konnten, das Normale – weltweit“, so Mönikes. Bis etwa 1960 war diese Art der Gütertransporte noch auf dem Finowkanal üblich. „Das war die Autobahn der damaligen Zeit. Alles, was wir heute über die Autobahn transportieren, wurde damals auf Schiffen transportiert“, so Mönikes.
Mulis als ideale Zugtiere
Maultiere und Mulis galten demnach wegen ihrer Ausdauer, Trittsicherheit und Belastbarkeit als besonders geeignete Zugtiere. Auf schmalen Wegen, in unebenem Gelände und bei langen Arbeitstagen seien diese Eigenschaften entscheidend gewesen.
Kaffenkähne als Vorreiter von Lkw und Zügen
Kaffenkähne waren die Lastwagen des 18. und 19. Jahrhunderts und bis zum Ausbau des Eisenbahnnetzes das wichtigste Transportmittel für Baumaterialien. Der rund 42 Kilometer lange Finowkanal gilt als älteste noch schiffbare künstliche Wasserstraße Deutschlands. Seit über 400 Jahren verbindet er Havel und Oder und war lange eine zentrale Wirtschaftsader der Region.



