Soundcheck: Neue Alben von Olivia Rodrigo, Kelsey Lu, Jon Spencer und Sublime
Soundcheck: Neue Alben von Olivia Rodrigo, Kelsey Lu, Jon Spencer

Jeden Freitag stellen vier Popmusikjournalistinnen und -journalisten ab 21 Uhr ihre Alben der Woche in der Sendung „Soundcheck“ bei Radio eins vor. Diese Woche mit folgenden Platten:

Olivia Rodrigo: „You Seem Pretty Sad for a Girl So in Love“ (Universal)

In diesen finsteren Zeiten gibt es nur wenig, was einen so glücklich macht wie der bereits zweite gemeinsame Auftritt von Olivia Rodrigo mit Robert Smith von The Cure, diesmal auf dem Primavera Sound Festival. Es wird nun aber trotzdem ein bisschen kompliziert: Auf Rodrigos neuem Album ist Smith nicht etwa bei dem Song „The Cure“ dabei, auch wenn Rodrigo hier eine durchaus an die Band The Cure erinnernde Akustikgitarre spielt, sondern er singt mit Rodrigo einen anderen Titel namens „What’s Wrong With Me“.

Abgesehen von dieser fantastischen Kooperation ist Olivia Rodrigo aber natürlich längst ein Star nach eigenem Recht. Zuletzt spielte sie die erfolgreichste Tournee einer im neuen Jahrtausend geborenen Künstlerin. Nun also ihr insgesamt drittes Album, das laut Rodrigo von Manchester Rave, „Sex and the City“ und Lana Del Rey inspiriert und zudem ein Konzeptalbum über die Liebe sei. Torsten Groß, Moderator

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Kelsey Lu: „So Help Me God“ (Dirty Hit)

Sieben Jahre tüftelte Kelse Lu – nichtbinäre*r Sänger*in, Cellist*in, nebenbei Vogue-Liebling – zu Hause in Los Angeles am zweiten Album. Deys Rezept für experimentellen Pop durch Introspektion geht erneut auf – dieses Mal noch ausgefeilter. Elegant rollt Kelsey Lu einen Ambient-Downtempo-Teppich aus, auf dem mit Pop, Kammermusik und Electronica jongliert wird, vereinzelt steigert sich das Ganze zu experimentelleren Achtminütern oder himmlisch-luftigen Pop-Hymnen.

Lu wirkt wie eine*r Dirigent*in, stets jeder Facette der eigenen Kunst bewusst. Weiterhin beteiligt waren unter anderem Pop-Produzent Jack Antonoff, FKA-Twigs-Kollaborateur Yves Rothman sowie Kim Gordon, Sampha und Kamasi Washington. Es wirkt jedenfalls nicht so, als wäre Unterstützung von ganz oben nötig. Sandra Gern, freie Musikjournalistin und Radiomoderatorin

Jon Spencer: „Songs of Personal Loss and Protest“ (Bronze Rat)

„The blues is my bible, rock’n’roll is our battle cry!” Solche Sätze klingen nur dann cringe, wenn man nicht Jon Spencer ist, der coolste und zugleich wütendste Fuzz- und Punkrocker, den die New Yorker Lower East Side noch aufzubieten hat.

Wenn Spencer mit neuer Band, aber alter Trotz- und Widerstands-Energie über eine „Vermin Attack“ und einen schlimmen „Hangover“ klagt, weiß man, dass der Kummer über Trump und Maga, aber auch persönliche Tragödien im Leben des Musikers, mit explosivem Feedback-Lärm bewältigt werden sollen. Andreas Borcholte, Der Spiegel

Sublime: „Until the Sun Explodes“ (Atlantic)

Wer was mit Medien macht, weiß: Tiere werden geklickt. Insofern waren die Kalifornier rund um Bradley Nowell mit ihrer Dalmatiner-Liebe ihrer Zeit in den Neunzigern voraus. Der Hund namens Louie zierte Plattencover, ging mit auf Tour und durfte sich bei Konzerten auch auf der Bühne frei bewegen.

1996 endete die Sublime-Geschichte mit Nowells Überdosis. Dreißig Jahre später steht nun sein Sohn Jakob in langen Boxershorts und mit Gitarre mit der Originalband auf der Bühne – und klingt wie einst sein Vater. Eine Platte wie eine Flaschenpost aus den Neunzigern, mit dem typischen Ska-Punk-Surf, der damals einen Nerv traf. Aber tut er es auch heute? Thomas Wochnik, Tagesspiegel

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