Die chaotische Suche nach einem neuen Trainer für die italienische Fußball-Nationalmannschaft hat den nächsten Rückschlag erlitten. Nachdem Wunschkandidat Pep Guardiola abgesagt hatte, stand Andrea Pirlo kurz vor der Unterschrift. Doch nun hat der Weltmeister von 2006 seinen Rückzug erklärt – ausgelöst durch Kritik an seinen Verbindungen nach Russland.
Vertrag bereits ausgehandelt – dann kamen die Zweifel
Der italienische Verband FIGC und Pirlo, 116-facher Nationalspieler und einer der Helden des WM-Titels 2006, hatten sich laut Medienberichten bereits auf einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 geeinigt. Doch über das Wochenende mehrten sich Berichte, dass Pirlos Russland-Kontakte die Verpflichtung gefährden. Der 47-Jährige trainiert derzeit den United FC Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten, der dem russischen Milliardär Sergej Lomakin gehört. Zudem fungiert er als globaler Markenbotschafter des russischen Wettanbieters Fonbet und war erst vor wenigen Wochen zu einer Autogrammstunde in Moskau – was angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine für Empörung sorgte.
Pirlo wehrt sich – und erklärt seinen Rückzug
In einem Instagram-Post wies Pirlo zunächst alle Kritik zurück. Doch kurz darauf schrieb er: „Ich habe erfahren, dass ich nicht mehr als Kandidat für den Trainerposten im Gespräch bin.“ Wer ihn darüber informiert habe, ließ er offen. Die Debatte verfolge er „mit großer Bitterkeit“. Er betonte, seine Arbeit in Dubai sei „ausschließlich sportlicher und kommerzieller Natur“ und dürfe nicht politisch interpretiert werden. „Ihr eine politische Bedeutung zuzuschreiben, bedeutet, mir Überzeugungen zuzuschreiben, die ich nie geäußert habe und nicht habe.“ Russlands Botschafter in Italien, Alexej Paramonow, sicherte Pirlo daraufhin seine „volle Solidarität“ zu. Der Fall beschäftigt inzwischen auch die italienische Politik.
Italiens Fußballkrise: Dritte verpasste WM in Folge
Der viermalige Weltmeister Italien hatte im Frühjahr zum dritten Mal nacheinander die WM verpasst, weshalb Trainer Gennaro Gattuso entlassen wurde. Pirlo und Gattuso standen 2006 gemeinsam in der Weltmeistermannschaft. Nach seiner aktiven Karriere trainierte Pirlo unter anderem Juventus Turin und Sampdoria Genua – mit mäßigem Erfolg. Seine sportliche Bilanz ist durchwachsen, was die Kritik an seiner möglichen Berufung zusätzlich nährte.
Maldini wackelt ebenfalls
Medienberichten zufolge könnte Pirlos Rückzug auch Konsequenzen für Paolo Maldini haben. Der legendäre Verteidiger hatte gerade erst den Posten des Technischen Direktors der Nationalmannschaft angetreten und sich für seinen ehemaligen Teamkollegen Pirlo eingesetzt, nachdem Guardiola abgesagt hatte. Sollte der Verband Pirlo tatsächlich nicht zum Trainer machen, wird spekuliert, dass Maldini ebenfalls zurücktreten könnte. Die FIGC hat sich bisher nicht offiziell zu Pirlos Status geäußert. Die Trainersuche bleibt damit in der Schwebe – und die italienische Fußball-Öffentlichkeit ist gespalten.



