Fortsetzung des Kinoerfolgs „Der bewegte Mann“ geplant
30 Jahre nach der erfolgreichen Comicverfilmung „Der bewegte Mann“ (1994) soll eine Fortsetzung in die Kinos kommen. Der Film, der mit über 6,5 Millionen Besuchern der erfolgreichste deutsche Film der 1990er Jahre war, wird erneut Til Schweiger in der Hauptrolle zeigen. Die Regie übernimmt Hermine Huntgeburth, wie aus einer Mitteilung der Film- und Medienstiftung NRW hervorgeht, die das Projekt mit 900.000 Euro fördert. Produziert wird die Fortsetzung von den Kölner Firmen Peak Point Pictures und Gesellschaft für Feine Filme, den Verleih übernimmt Vuelta Entertainment Germany.
Handlung und Cast der Fortsetzung
Die Geschichte knüpft 30 Jahre nach den Ereignissen des Originals an. In der Ankündigung heißt es: „Der bewegte Mann, 30 Jahre später. Als Axel nach Jahren der Funkstille unangekündigt zur Hochzeit seines schwulen Sohnes auftaucht, gerät das fein austarierte Patchwork-Leben von Ex Doro und Ersatzvater Norbert aus dem Lot – mitten in Midlife-Krisen, Babyplänen und der Frage: ‚Wer ist eigentlich Familie?‘“ Neben Til Schweiger sind Jan Josef Liefers, Marie Bäumer und Rufus Beck im Cast. Das Drehbuch stammt von Judy Horney und Martin Gypkens und basiert auf Comics von Ralf König.
Ralf König: Distanz zur Fortsetzung
Ralf König, der Schöpfer der gleichnamigen Comicvorlage, hat mit der Fortsetzung nichts zu tun. „Als dem Film 2024 das 30. Jubiläum bevorstand, kam der nette Joachim Król auf mich zu und fragte, ob ich nicht eine Fortsetzung schreiben könne“, erzählt König dem Tagesspiegel. „Ich war dem gegenüber aufgeschlossen und habe damals ein paar Tage darüber nachgedacht, aber eine zündende Idee kam mir nicht, wie man mit diesen Charakteren 30 Jahre später neu ansetzen könnte.“ Er habe seinen „Segen“ gegeben, dass andere Drehbuchschreiber es versuchen können: „Das ist nun offenbar geglückt, sollen sie ruhig machen.“
Königs Kritik an der ersten Verfilmung
Bereits die erste Verfilmung von 1994 fand König „nicht so gelungen“. In einem Interview mit dem Tagesspiegel kritisierte er, dass die schwulen Protagonisten im Film klischeehaft und als überspitzte Karikaturen dargestellt wurden – im Comic sei dies auch bei den heterosexuellen Figuren der Fall gewesen. König selbst hat ein distanziertes Verhältnis zu seinem Comic „Der bewegte Mann“, der ihm 1987 den Durchbruch bescherte. In seinem Buch „Pflaumensturz und Sahneschnitten“ erklärte er, die Geschichte sei „ein bisschen aus der Zeit gefallen: Ein gut aussehender Hetero, der in die Schwulenszene gerät und der von den Tunten angeschmachtet wird … ist heute nicht mehr so exotisch“.
König: „Die Geschichte ist mir davongaloppiert“
„Die Geschichte von ‚Der bewegte Mann‘ ist mir schon lange davongaloppiert und hat eine Eigendynamik entwickelt, an der ich nicht sehr interessiert bin“, sagt König. Er arbeitet derzeit an einer humorvoll-queeren Comic-Adaption der Nibelungen-Sage. Eine eigene kleine Fortsetzung habe er zur 30-Jahre-Jubiläumsausgabe des Comics bei Rowohlt hinzugefügt: „Da begegnen sich Norbert, Waltraud, Axel und Doro nach all der Zeit kurz in einem Restaurant.“ Das habe sich für ihn glaubhaft angefühlt, „wäre aber für einen Film zu wenig Stoff gewesen“.



