In dem Podcast „Wild Card with Rachel Martin“ hat Sängerin Shania Twain erneut über ihre von Gewalt geprägte Kindheit gesprochen. Die 60-Jährige schilderte dabei, wie ihre Mutter Sharon und ihr Stiefvater Jerry Twain immer wieder aneinander gerieten – mit teils schweren körperlichen Folgen. Auch sie selbst und ihre Schwestern seien vor der Gewalt nicht sicher gewesen.
„Sie liebten sich“, sagte Twain. „Sie haben gemeinsam so viele Höhen und Tiefen durchlebt, aber sie haben sich oft gestritten und es kam häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen.“ Auf die Nachfrage, ob sich diese Gewalt auch gegen sie gerichtet habe, bestätigte die Sängerin: „Ja, bei mir auch. Wenn ich zur falschen Zeit am falschen Ort war, auf jeden Fall.“
Twain beschrieb, dass sowohl ihre Mutter als auch ihr Stiefvater körperlich sehr grob waren. „Wir wurden auf jeden Fall oft geschlagen und manchmal auch getreten – buchstäblich getreten.“ Diese Worte machen deutlich, wie allgegenwärtig die Gewalt im Haushalt der Familie war.
Elternliebe und Gewalt – ein Teufelskreis
Laut Twain waren die Eltern jedoch vor allem für einander eine Gefahr. „Meine Mutter verlor zum Beispiel ganze Haarbüschel. Sie hatte oft blaue Flecken im Gesicht und manchmal war es ziemlich schlimm.“ Die Sängerin erinnerte sich an Momente, in denen das Haus regelrecht erbebte: „Unser Haus bebte. Die Wände bebten.“ Diese Erlebnisse bezeichnete sie als „sehr traumatisch“ und verglich sie mit einem heftigen Gewitter, das laut und beängstigend sei.
Ihre Mutter Sharon hatte sich von ihrem ersten Ehemann getrennt, als Shania Twain noch klein war, und heiratete danach Jerry Twain. Das Paar blieb bis zu seinem gemeinsamen Tod bei einem Autounfall im Jahr 1987 zusammen. Sharon habe jedoch mehrfach versucht, ihren Mann zu verlassen, erklärte die Sängerin. Doch die Trennungen waren nie von Dauer: „Sie ist auch gegangen. Wir sind weggegangen, aber er hat uns immer wieder gefunden oder sie hat immer nachgegeben und ist zurückgegangen.“ Es sei ein Teufelskreis gewesen.
Frühere Enthüllungen in Memoiren und Interview
Shania Twain hat ihre schwierige Kindheit bereits mehrfach öffentlich thematisiert. In ihren Memoiren „From This Moment On“ gewährte sie einen tiefen und schmerzhaften Einblick in ihr familiäres Leben. Zudem erzählte sie 2018 im Interview mit dem britischen „Guardian“, dass sie Angst hatte, ihr Stiefvater könnte ihre Mutter töten: „Ich dachte, sie würden sich gegenseitig umbringen. Auch meine Mutter war recht gewalttätig.“
In dem Buch beschrieb sie eine Szene, in der sie als Elfjährige ihre Mutter verteidigte, während der Stiefvater wieder gewalttätig wurde. Twain schlug einen Stuhl gegen seinen Rücken, woraufhin er ihr gegen den Kiefer schlug. Diese mutige, aber gefährliche Aktion zeigt, wie früh sie der Gewalt ausgesetzt war.
Missbrauch und die Botschaft der Hoffnung
Im Guardian-Interview offenbarte sie auch, dass ihr Stiefvater sie körperlich und psychisch misshandelt habe; auch sexueller Missbrauch habe stattgefunden. Sie wollte darauf nicht näher eingehen, betonte aber, dass es wichtig sei zu zeigen, „dass Menschen verstehen, dass man solche Dinge überleben kann“. Diese Worte unterstreichen, wie sehr die Sängerin ihre Erfahrungen genutzt hat, um anderen Betroffenen Mut zu machen.
Die 60-Jährige hat in der Vergangenheit immer wieder betont, wie prägend diese Erlebnisse für sie waren. Ihre Offenheit im Podcast „Wild Card with Rachel Martin“ ist ein weiterer Schritt, um das Schweigen über häusliche Gewalt und Missbrauch zu brechen.



