Einen Tag nach dem verheerenden Unwetter in der Sächsischen Schweiz steht TV- und Eventköchin Verena Leister vor den Trümmern ihrer Existenz. Ihr Imbiss am Amselsee wird von entwurzelten Bäumen zerquetscht, von den knapp 30 Ruderbooten, die zum Betrieb gehören, sind nur noch Holzreste unter den Stämmen auszumachen. „Das ist die Hölle“, sagt die Dresdner Köchin, die unter anderem in der Sat.1-Kochshow „The Taste“ zu sehen war.
Die Natur rund um den Amselsee wurde in kürzester Zeit verwüstet. Leister steht zwischen umgeknickten Bäumen, herumliegenden Ästen und zerstörten Booten. Ihre ersten Gedanken galten nicht dem eigenen Schaden, sondern möglichen Opfern: „Ein Menschenleben ist immer das Allerschlimmste“, sagt sie. Bei dem Gewitter am Freitagabend mit heftigen Windböen kam tatsächlich ein Mann ums Leben: Der 38-Jährige wurde von einem umstürzenden Baum erschlagen.
Zerstörte Idylle am Amselsee
Der Amselsee liegt idyllisch im Amselgrund nahe Rathen und ist ein beliebtes Ausflugsziel inmitten des Nationalparks Sächsische Schweiz. Touristen mieten dort normalerweise Ruderboote und genießen die von steilen Felswänden gesäumte Landschaft. Von dieser Idylle ist nach dem Sturm nichts geblieben. Dichte Baumstämme liegen kreuz und quer über dem Gelände, das Dach des Imbisses ist eingedrückt, die Fenster sind zerborsten.
Leister beschreibt die Verwüstung im Detail: „Der Imbiss ist komplett bedeckt mit den ganzen Bäumen. Also von oben kam ein Riesenbaum drauf. Das Dach ist eingestürzt, ist undicht. Von innen kam die Decke runter. Die Wände sind verzogen und auch die Böden sind beschädigt.“ Wie hoch der finanzielle Schaden ist, könne sie noch nicht beziffern, sagt die 42-Jährige.
Urlaub in Kroatien abgebrochen
Die Katastrophe traf die Familie Leister im Urlaub. „Wir waren tatsächlich gerade das allererste Mal seit neun Jahren in unserem Sommerurlaub mit den Kindern. Und dann kam der Anruf und dann war für uns klar, es ist sofort Sachen packen und wir müssen nach Hause“, berichtet sie. Die Familie sei über Nacht aus Kroatien durchgefahren, um so schnell wie möglich vor Ort zu sein. Jetzt steht die Köchin vor ihrem zerstörten Ausflugsziel und versucht, die Lage zu erfassen.
Auf die Frage nach Verletzten unter den Mitarbeitern oder Gästen antwortet Leister erleichtert: „Zum Glück ist niemand von uns verletzt worden. Aber das ist kein Trost für den Mann, der gestorben ist.“ Der getötete 38-Jährige war offenbar zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen – ein Schicksal, das die Köchin tief bewegt.
Sachsenforst sperrt Nationalpark
Wegen der massiven Sturmschäden hat Sachsenforst den Nationalpark Sächsische Schweiz weiträumig gesperrt. Lebensgefahr durch herabstürzende Äste und umkippende Bäume besteht weiterhin. Wanderwege sind unpassierbar, zahlreiche Bäume hängen in Schieflage. Die Behörden warnen eindringlich davor, das Gebiet zu betreten. Auch der Bereich um den Amselsee bleibt vorläufig abgeriegelt, während die Aufräumarbeiten laufen.
Für Leister bedeutet dies einen herben wirtschaftlichen Einschnitt. Der Imbiss, der in der Saison sonst viele Wanderer und Bootsfahrer versorgt, wird in diesem Jahr nicht wieder öffnen können. „Also wir hoffen, dass wir das schnellstmöglich hinkriegen, aber diese Saison wird definitiv das nicht mehr möglich sein“, sagt sie. Sie hofft, im nächsten Jahr wieder loslegen zu können, räumt aber ein: „Realistisch betrachtet, müssen wir wirklich viel tun und machen.“
Tränen und Trauer um die Natur
Das Ausmaß der Zerstörung hat die TV-Köchin sichtlich mitgenommen. „Ich habe gestern Abend schon sehr viel geheult, weil man die Bilder natürlich gesehen hat und alles“, erzählt sie. Besonders schmerzt sie die Verwüstung der malerischen Landschaft: „Aber jetzt zu sehen, wie die schöne Natur rund um den Amselsee in kürzester Zeit zerstört wurde, das ist schon echt schlimm.“
Unterstützung erhält Leister von Sachsens Ministerpräsidenten Michael Kretschmer, der am Tag nach dem Unwetter zusammen mit ihr den Amselgrund besichtigte. Bei einem Ortstermin sprach er der Köchin Mut zu. Wie es mit dem Imbiss weitergeht, ist offen – fest steht nur, dass eine lange Zeit des Wiederaufbaus bevorsteht. Die Solidarität der Gäste und der Region ist groß, viele haben bereits Hilfe angeboten.



