Im BILD-Podcast „May Way“ berichtet Natascha Ochsenknecht (61) über ihre bewegte Vergangenheit. Aufgewachsen in einem 500-Einwohner-Dorf in Niedersachsen, wurde sie mit 14 als Model entdeckt. Doch hinter der bodenständigen Fassade verbirgt sich ein Leben mit schweren Krankheiten, dramatischen Verlusten und einer jahrzehntelang verschwiegenen Familiengeschichte. „Für mich war immer klar: Ich bleibe in keinem Loch drin. Ich hole mich aus jedem Loch wieder raus“, sagt sie voller Zuversicht.
Eine Kindheit auf dem Land
Natascha wuchs mit ihrem Bruder Ingo Robin Wierichs (†57) nahe Wolfsburg auf, wo ihr Vater Hans-Jörg Wierichs (†67) als Bauunternehmer arbeitete. „Ich war diejenige, die auf dem Baum war, die Tennis gespielt hat, die am Schwimmen war, die Schränke aufgebaut hat“, beschreibt sie sich als Kind. Gemeinsam mit ihrem Bruder bepflanzte sie einen eigenen Teil des Gemüse- und Obstgartens: „Ich verkaufte als Kind Johannisbeeren und Obstsalat am Straßenrand. Ich war schon immer so ein bisschen auch Geschäftsfrau.“ Mit 14 wurde sie bei einer Modenschau entdeckt, absolvierte später eine Ausbildung zur Schmuckkauffrau und zog dann als Model nach München.
Die Entdeckung der Halbschwester
Dass sie eine Halbschwester hat, war in Nataschas Familie nie ein Geheimnis. Judith stammt aus einer kurzen Beziehung ihres Vaters als junger Leistungssportler, bevor er Nataschas Mutter heiratete. Der Kontakt zur damaligen Freundin ging verloren, aber „mein Vater hat immer mal gehofft, dass er sie irgendwann mal findet oder dass sie sich vielleicht mal meldet.“ Der Anruf kam schließlich: „Ja, hallo, ich bin Judith, ich hätte gern mal Herrn Wierichs gesprochen“, erinnert sich Natascha. Der Vater hatte regen Kontakt zu Judith, doch persönlich traf Natascha sie erst nach dem Tod des Vaters 2005. Sie schenkte Judith etwas, das vom Vater stammte: „Ich wollte, dass sie auch was von ihm hat. Und dann sind wir zusammen zur Beerdigung.“ Judith sei ein „ganz toller Mensch“. Die Schwestern fühlen eine „Verbundenheit, auch wenn wir nicht zusammen aufgewachsen sind.“
Der Leidensweg des Vaters
Nataschas Vater war Diabetiker. Eine diabetische Fußpflege führte zu einer Wunde, die nie heilte. Es folgte eine Operation nach der anderen: „Ich glaub, mein Vater hatte in einem Jahr 14 Amputationen.“ Sie holte ihn zu sich nach München und pflegte ihn ein Jahr lang: „Ich hab mich immer durchgeschleppt, weil ich von meinem Papa halt da sein wollte.“ Am Ende kamen Sepsis, Dialyse und tägliche Herzinfarkte hinzu: „Der hat gekämpft ohne Ende ... und dann ist er halt dann eingeschlafen neben mir.“ Noch heute kann sie kaum Milchreis essen, weil sie ihm stets welchen ins Krankenhaus brachte.
Weitere Verluste in der Familie
Nicht nur ihr Vater starb früh. Ihre Nichte Emily (†25), Tochter von Bruder Ingo Robin, kam 2017 bei einem Sturz aus dem Fenster ihrer Münchner Wohnung ums Leben. Rund acht Jahre später, im April 2025, starb auch Ingo Robin Wierichs selbst völlig unerwartet an einem Herzinfarkt, während er eine Haftstrafe absaß. Für Natascha war beides ein tiefer Schock: „Tod ist immer ungerecht. Egal wie alt ein Mensch ist, der Tod ist einfach ungerecht und der Tod ist traurig, und man muss auch trauern.“ Der Unterschied: Bei einer langen Krankheit könne man sich „auf gewisse Art und Weise so ’n bisschen drauf vorbereiten“ – viel schlimmer sei es, „wenn einer aus dem Nichts stirbt, dann bist du nicht vorbereitet und dann hast du einen Riesenschock.“
Die „Zeitbombe“ im eigenen Körper
Nataschas eigene Gesundheit war ebenfalls von Schicksalsschlägen geprägt. Mit 18 erkrankte sie an einer Hirnhautentzündung, musste zweimal am Kopf operiert werden und litt danach unter Gedächtnisproblemen. Später begann ein zehn Jahre langer Albtraum: eine unerkannte Allergie gegen die Antibabypille, die sich fast täglich in Erbrechen äußerte. Ärzte schoben es auf die Psyche: „Model, magersüchtig, haben sie Probleme immer auf die Psyche geschoben.“ Ein Pfeifen im Bauch führte endlich zur Diagnose: „Das war eigentlich schon zu 99,9 Prozent das Hauptgefäß vom Darm zu, ich hatte also eine Zeitbombe in mir.“ Ein Spezialist in Zürich wagte die lebensgefährliche Operation, ohne vorher zu wissen, was ihn erwarten würde. „Ich bin in den OP gefahren worden und wusste nicht, wie ich danach aufwache.“ Sie hatte damals schon zwei kleine Kinder und überlegte, einen Abschiedsbrief zu schreiben, entschied sich aber dagegen: „Nee, ich pack das.“
Nahtoderfahrung und neuer Lebensmut
Nach der Geburt ihrer Tochter brach die OP-Narbe erneut, und bei einer weiteren Operation erlebte sie eine Nahtoderfahrung: Sie erstickte fast an einem Schleimpfropfen. „Ich bin dann so abgehoben, dann waren so 4 Engel an meinem Bettende ... und dann sagt da irgendwie ein Engel: nee, bist noch nicht dran.“ Trotz allem blickt Natascha Ochsenknecht heute nach vorn. Aus dem Verlust ihres Vaters ist sogar ein neues Familienband entstanden – die Verbindung zu ihrer Halbschwester Judith.



