In einem Gastbeitrag für den SPIEGEL kritisiert Philipp Awounou die weit verbreiteten Vorurteile über den sogenannten „afrikanischen“ Fußball in Deutschland. Anlass ist der Auftritt der Elfenbeinküste gegen die deutsche Nationalmannschaft, der eine problematisch geführte Rassismus-Debatte offenlege.
Das Bild vom „wilden“ afrikanischen Fußball
Awounou stellt fest, dass in Deutschland oft Klischees über afrikanische Mannschaften kursieren: Sie seien zwar athletisch und talentiert, aber taktisch undiszipliniert und chaotisch. Diese Zuschreibungen seien fernab der Realität. Die Elfenbeinküste zeigte gegen Deutschland eine strukturierte Spielweise, die auf modernem Taktikverständnis basiert. Dennoch werde der Erfolg afrikanischer Teams häufig auf angeborene körperliche Eigenschaften zurückgeführt, nicht auf harte Arbeit oder taktische Intelligenz.
Rassismus-Debatte im deutschen Fußball
Der Autor verweist auf die Debatte um Rassismus im deutschen Fußball, die nach dem Spiel neu entflammt sei. Dabei würden jedoch oft falsche Narrative bedient. So werde etwa die Leistung der Elfenbeinküste nicht als eigenständiger Erfolg gewürdigt, sondern als Ausnahme oder Zufall abgetan. Awounou betont: „Die eigentliche ‚Wildheit‘ liegt in den Köpfen derer, die immer noch glauben, afrikanischer Fußball sei minderwertig.“
Historische Perspektive und Selbstreflexion
Interessanterweise erinnert Awounou daran, dass die deutsche Nationalmannschaft selbst einst als „wild“ und unberechenbar galt – bis sie durch Disziplin und Taktik zu einer der erfolgreichsten Mannschaften der Welt wurde. „Die ‚Wilden‘ waren wir Deutschen“, schreibt er und fordert eine differenziertere Betrachtung. Die aktuellen Vorurteile gegenüber afrikanischen Teams seien nichts anderes als ein Spiegel der eigenen Vergangenheit.
Fazit: Mehr Respekt und Sachlichkeit
Awounou appelliert an Medien, Fans und Verbände, den afrikanischen Fußball ernster zu nehmen und nicht länger mit Klischees zu belegen. Die Leistungen der Elfenbeinküste und anderer afrikanischer Nationen verdienten Anerkennung auf Augenhöhe. Nur so könne die Rassismus-Debatte im Fußball konstruktiv geführt werden.



