Hyänen widerlegen ihr Bösewicht-Image
Entgegen popkultureller Darstellungen wie im Disney-Film „König der Löwen“ sind Tüpfelhyänen nicht böse, feige oder hinterlistig. Im Gegenteil: Sie sind äußerst sozial und wahre Meister der Deeskalation. Das zeigt eine neue Studie unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).
Die Tiere zeigen ein hoch entwickeltes Sozialverhalten und nutzen ein ausgeklügeltes System aus Mimik und Lauten, um miteinander zu kommunizieren. Die präzise Kommunikation sei mit der vieler Primatenarten vergleichbar, heißt es in der Studie.
Offenes Maul als Friedenssignal
Für die Untersuchung beobachteten Forscherinnen und Forscher Tüpfelhyänen in Tansania und Südafrika beim Spielen in freier Wildbahn. Wie bei anderen Säugetieren ist das entspannte offene Maul („relaxed open mouth“, kurz ROM) das häufigste Signal, um friedliche Absichten zu signalisieren.
Den Beobachtungen zufolge nutzen die Tiere das ROM häufig beim Eins-zu-Eins-Spiel, wenn direkter Blickkontakt herrscht. „Wenn mehrere Hyänen miteinander spielen und sie sich nicht sicher sein können, dass alle Teilnehmenden das entspannte ROM sehen, dann setzen sie zusätzliche Signale in Form von spielspezifischen Lautäußerungen ein, die von allen Teilnehmenden registriert und verstanden werden“, erklärte Mitautor und Forscher am Leibniz-IZW, Oliver Höner.
13 verschiedene Lautäußerungen entdeckt
Die Wissenschaftler stellten 13 verschiedene Lautäußerungen fest, von denen fünf noch nie zuvor beschrieben wurden. Sie hörten die Tiere unter anderem bellen, kichern, knurren, grunzen, leise quietschen, winseln, wimmern oder fauchen.
Die Forschenden gehen davon aus, dass die Laute den fehlenden Blickkontakt ausgleichen sollen. Die Fähigkeit, ihre Körpersprache je nach Situation anzupassen, spricht für ausgeprägte kognitive und soziale Fähigkeiten. Trotz des teils rauen Umgangs eskalierte das Spielen laut Studie nie, führte also nicht zu echten Kämpfen zwischen den Tieren.
Sozialleben in großen Clans
Tüpfelhyänen spielen und raufen in allen Lebensphasen, erwachsene Tiere besonders gern im Wasser, wie das Leibniz-IZW erklärt. Sie leben in großen sozialen Gruppen von bis zu 130 Tieren. Diese sogenannten Clans sind hierarchisch aufgebaut und werden von den Weibchen und ihren Jungen angeführt.
Die Hyänen leben in mehreren Ländern Afrikas südlich der Sahara. Sie jagen Gnus, Zebras oder Büffel und fressen auch Aas. Die Studie zeigt, dass ihr Sozialverhalten weitaus komplexer ist als lange angenommen.



