Nach fast 15 Jahren Rehabilitation ist der Orang-Utan Himba im Regenwald von Borneo ausgewildert worden. Das Tier hatte als Jungtier einen Waldbrand schwer verletzt überlebt. Die Auswilderung erfolgte im Bukit-Baka-Bukit-Raya-Nationalpark im indonesischen Teil Borneos, wie die Tierschutz-Stiftung BOS (Borneo Orangutan Survival) mitteilte.
Schwerste Brandverletzungen als Baby
Im Oktober 2011 brachte ein Holzsammler den etwa sechs Monate alten Orang-Utan in das Rettungszentrum Nyaru Menteng. Himba hatte Verbrennungen auf 70 Prozent seines Körpers, hohes Fieber und Teile der Haut lösten sich bereits ab. Seine Mutter war an den Folgen ihrer schweren Verbrennungen gestorben.
„Damals im Jahr 2011 war ich dabei, als er nach Nyaru Menteng kam – mit Verbrennungen, die 70 Prozent seines Körpers bedeckten“, erinnerte sich Denny Kurniawan, Programmleiter des Rettungszentrums. Der Tierarzt Agus Fahroni erklärte, dass Himba dringend nötige Operationen in seinem Zustand nicht überlebt hätte. Er musste zuerst stabilisiert werden.
Monatelanger Kampf ums Überleben
Der winzige Patient erhielt Infusionen, Sauerstoff, Antibiotika und Schmerzmittel. Rund um die Uhr kümmerte sich das Team um ihn. Eine besondere Rolle spielte die Babysitterin Mariana, die für verwaiste Orang-Utans als Ersatzmutter fungiert. „Ich war vom ersten Moment an für Himba da, und wir wurden unzertrennlich“, sagte die heute 50-Jährige. „Ich konnte nicht einmal allein auf die Toilette gehen, weil er sich nicht von mir lösen wollte.“
Die Wunden heilten, neue Haut bildete sich, und Himba nahm deutlich zu. Aus dem traumatisierten Jungtier wurde ein neugieriger Orang-Utan, der im BOS-Waldkindergarten das Klettern und später in der Waldschule alles lernte, was Jungtiere normalerweise von ihren Müttern lernen – vom Nestbau bis zur Nahrungssuche.
Vorbereitung auf die Freiheit
2019 zog Himba auf die Vor-Auswilderungs-Insel Bangamat um, wo Orang-Utans unter möglichst natürlichen Bedingungen auf ein Leben in Freiheit vorbereitet werden. Dort entwickelte er sich zu einem geschickten Nahrungssucher und hielt zunehmend Abstand zu Menschen. Nach einer rund 20-stündigen Reise, darunter acht Stunden auf einem Boot, wurde Himba gemeinsam mit vier weiteren Orang-Utans in die Freiheit entlassen.
Erfolgreiche Auswilderung
Im Bukit-Baka-Bukit-Raya-Nationalpark leben nun 231 ausgewilderte Orang-Utans. Insgesamt hat BOS seit 2012 nach eigenen Angaben 561 Tiere erfolgreich in die Wildnis zurückgebracht. Beobachtungsteams sind im Einsatz, um sicherzustellen, dass Himba und die anderen ausgewilderten Tiere problemlos in ihrem neuen Leben ankommen.
„Es berührt mich besonders, dass Himba trotz seiner schweren Brandverletzungen nicht nur überlebt hat, sondern nun sogar die Chance bekommt, wieder als freier Orang-Utan im Regenwald zu leben“, sagte Daniel Merdes, Geschäftsführer von BOS Deutschland. „Dass er diesen Weg geschafft hat, grenzt an ein kleines Wunder.“
Bedrohung durch Waldbrände
Himba war als Baby Opfer eines schweren Waldbrandes geworden. Solche Feuer zerstören auf Borneo immer wieder große Flächen Regenwald – etwa durch Brandrodung für Palmölplantagen oder infolge zunehmender Trockenheit durch den Klimawandel. Da in diesem Jahr erneut ein starkes El Niño-Phänomen das globale Klima bedroht, wächst die Sorge von Tierschützern vor weiteren katastrophalen Bränden.



