Vietnam: Razzia gegen Katzenfleischhandel – mehr als 400 Tiere gerettet
Razzia gegen Katzenfleischhandel: 400 Tiere gerettet

Bei einer groß angelegten Razzia Mitte Juni in Ho-Chi-Minh-Stadt hat die Polizei mehr als 400 Katzen aus dem illegalen Fleischhandel befreit. Die Tiere saßen verängstigt, ausgehungert und dicht gedrängt in Käfigen. In Kühlboxen entdeckten die Ermittler rund 80 bereits tote Tiere. Es handelt sich um einen der bisher größten Schläge gegen den vietnamesischen Katzenfleischhandel.

Illegaler Handel mit gestohlenen Haustieren

Illegal war in diesem Fall nicht das Katzenfleisch selbst, sondern die Herkunft der Tiere. Nach Polizeiangaben handelte es sich mutmaßlich um gestohlene Haustiere und Streuner. Die Bande soll über Jahre hinweg Katzen gestohlen oder eingefangen und an Restaurants verkauft haben. Neun Verdächtige wurden festgenommen.

Karanvir Kukreja, Kampagnenleiter der Organisation Humane World for Animals (HWA), erklärte: „Dieser Fund ist einerseits eine ernüchternde Erinnerung an das enorme Ausmaß des vietnamesischen Hunde- und Katzenfleischhandels und andererseits ein sehr deutliches Zeichen dafür, dass sich die Einstellung im Land gegenüber diesem grausamen und gefährlichen Handel verändert.“

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Katzenfleisch als Delikatesse und Aberglaube

In Vietnam gehört der Verzehr von Katzen- und Hundefleisch für einen Teil der Bevölkerung zur Esskultur. Während der langen Kriegsjahre und in Zeiten großer Armut wurden die Tiere vielerorts gegessen, weil andere Lebensmittel knapp waren. Heute gilt das Fleisch vor allem im Norden des Landes als Delikatesse und wird zudem mit Glück, Stärke und Wohlstand verbunden. Ähnliche Traditionen gibt es auch in Teilen Chinas und Indonesiens.

Der Besitzer eines Restaurants in Hanoi, das Hunde- und Katzenfleisch serviert, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Bei den Katzen müssen wir sehr sorgfältig auswählen. Sie dürfen weder zu alt noch zu jung sein. Ist eine Katze älter als ein Jahr, wird das Fleisch zäh und schmeckt nicht mehr.“ Katzengerichte kosten in seinem Lokal mindestens 195.000 Vietnamesische Dong (etwa 6,50 Euro). „Im Durchschnitt verkaufe ich fünf bis sieben Katzen pro Tag, in Spitzenzeiten können es aber auch 20 oder 30 sein. Mein Laden ist immer sehr gut besucht.“

Gesundheitsrisiken und Tierleid

Der Handel birgt erhebliche Gesundheitsrisiken: Beim Hantieren mit rohem Hunde- und Katzenfleisch kann Tollwut übertragen werden. Durch die Zubereitung und den Verzehr drohen zudem parasitäre oder bakterielle Infektionen, die lebensbedrohlich sein können. Oft werden Streuner mit Giftködern oder schmerzhaften Elektroschockhalsbändern gefangen, Haustiere gestohlen und teils sogar aus Nachbarländern wie Kambodscha geschmuggelt.

Der Bauarbeiter Nguyen Thanh Trung (30) findet, Hunde- oder Katzenfleisch zu essen sei genauso wie Schweine-, Ziegen-, Lamm- oder Hühnerfleisch zu essen. Tierdiebstahl befürwortet er jedoch nicht: „Das ist gegen das Gesetz und sollte bestraft werden.“

Millionengeschäft trotz wachsender Kritik

Trotz des Ermittlungserfolgs und wachsender Kritik bleibt der Handel ein Millionengeschäft. Schätzungen der Tierschutzorganisation Four Paws (Vier Pfoten) zufolge werden allein in Vietnam jedes Jahr rund fünf Millionen Hunde und etwa eine Million Katzen für den Verzehr geschlachtet. Zuchten zu diesem Zweck sind weiterhin legal.

Wenige Tage nach der Razzia konnten mehr als 40 Katzen zu ihren Besitzern zurückkehren. Rund 100 der beschlagnahmten Tiere starben jedoch trotz tierärztlicher Hilfe an den Folgen von Hitze, Stress und anderen furchtbaren Bedingungen. „Man sah ihnen deutlich an, was für eine schwere körperliche und seelische Tortur sie durchgemacht haben“, sagte Phuong Tham, Landesdirektorin von Humane World for Animals.

Trendwende: Haustiere boomen

Das Land am Mekong verändert sich. Vor allem in den großen Städten halten immer mehr Familien Hunde und Katzen als Haustiere. Tierkliniken, Tiercafés und Zoofachgeschäfte boomen. Besonders junge Menschen lehnen den Verzehr zunehmend ab. Dies führt zu einem neuen Geschäftsmodell: Diebe stehlen geliebte Vierbeiner, verlangen Lösegeld und drohen, sie andernfalls an Restaurants zu verkaufen. Bisher wandern für solche Erpressungen nur die wenigsten ins Gefängnis. In einigen Fällen haben wütende Dorfbewohner Hundediebe bereits gelyncht.

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Gesellschaftliche Spaltung

Mai Xuan Huu, ein 34-jähriger Wertpapiermakler aus der nordvietnamesischen Provinz Thanh Hoa, sagte der dpa, früher habe er Hundefleisch gegessen, weil die Auswahl an Lebensmitteln begrenzt gewesen sei. Vor zehn Jahren habe er aber gänzlich damit aufgehört. „Ich werde diese Tiere nie wieder essen und es auch meinen Kindern nicht erlauben“, erklärte er. Die Konfiszierung der 400 Katzen sei „ein Akt der Menschlichkeit“ und müsse als mahnendes Beispiel stärker bekannt gemacht werden, „damit allen bewusst wird, wie wichtig der Schutz von Hunden und Katzen ist.“

Die Gesellschaft ist zunehmend gespalten: zwischen denen, die den grausamen Handel weiter betreiben, und einer neuen Generation, für die Fellnasen und Samtpfoten geliebte Familienmitglieder sind – und nicht mehr auf den Teller gehören.