Tausende protestieren in Neu-Delhi gegen Modis Regierung
„Kakerlaken“-Bewegung mobilisiert Tausende in Indien

In Neu-Delhi haben am Montag Tausende Menschen unter der Führung der sogenannten „Kakerlaken“-Bewegung gegen die Regierung von Premierminister Narendra Modi protestiert. Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz und errichtete Straßensperren, um den Demonstranten den Weg zum Parlament zu versperren. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Polizisten mit Schlagstöcken auf Demonstranten einschlugen, während die Sicherheitskräfte nahe des Parlaments Tränengas einsetzten, um die wachsende Menge zu vertreiben.

Hintergrund der Proteste

Die Bewegung, die sich „Cockroach Janta Party“ (CJP) nennt, bezieht ihren Namen auf eine abfällige Bemerkung eines hochrangigen Richters, der arbeitslose Jugendliche mit Kakerlaken verglich. Seit ihrer Gründung im Mai hat sie rasch Millionen von Anhängern im Internet gewonnen und gilt als Modis größte Herausforderung in seiner dritten Amtszeit. Ausgelöst wurden die Proteste durch einen Skandal um vorab veröffentlichte Prüfungsunterlagen für den Medizinertest, den mehr als zwei Millionen Bewerber wiederholen mussten. Die Demonstranten werfen der Regierung Korruption und Betrug vor.

Forderungen und Gespräche

Die CJP forderte unter anderem die Freilassung des hungerstreikenden Aktivisten Sonam Wangchuk, der am Samstag gegen seinen Willen ins Krankenhaus gebracht worden war, sowie den Rücktritt von Bildungsminister Dharmendra Pradhan. Zudem verlangt die Bewegung eine Entschädigung von zehn Millionen Rupien (rund 90.000 Euro) für jeden Studienbewerber, der sich aufgrund des Skandals das Leben genommen hat – Medien schätzen die Zahl auf etwa ein Dutzend. Nach mehrstündigen Protesten erklärte die CJP, die Regierung zeige Kooperationsbereitschaft: Gesundheitsminister J.P. Nadda habe um Zeit gebeten, um die Forderungen innerhalb der Regierung zu besprechen. Nadda selbst forderte die Demonstranten nach einem Treffen mit zwei Anführern auf, ihren Sitzstreik zu beenden und die Behörden bei der Rückkehr zur Normalität zu unterstützen.

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Jugendarbeitslosigkeit als Treiber

Experten zufolge spiegelt der Zulauf zur CJP die wachsende Frustration junger Inder wider. Neben den Prüfungsskandalen treibt die hohe Jugendarbeitslosigkeit die Proteste an. Laut Regierungsdaten lag die Arbeitslosenquote bei den 15- bis 29-Jährigen im Jahr 2025 bei 9,9 Prozent, in städtischen Gebieten sogar bei 13,6 Prozent. Die Polizei wies den Vorwurf übermäßiger Gewalt zurück, während Reuters-Reporter berichteten, dass Polizisten mit Steinen beworfen wurden. Die Bewegung teilte zudem mit, dass sich ihr Gründer Abhijeet Dipke weder in Gewahrsam noch in Haft befinde, womit sie eine frühere Festnahmeerklärung korrigierte.

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