Ein harmloser Strandspaziergang endete für eine Frau und ihren Hund in Australien beinahe im Desaster. Am Strand von Glenelg North, einem Stadtteil von Adelaide in Südaustralien, versanken Sarah Darbyshire und ihr Malteser Mr. Bean plötzlich im Sand. Die Fotografin hielt den Vorfall mit ihrem Handy fest und warnte anschließend auf Facebook vor den tückischen Bedingungen.
Der Schreckmoment: Sekunden des Versinkens
Sarah Darbyshire spazierte am Samstagnachmittag mit ihrem Hund Mr. Bean am Strand entlang. Sie filmte die Dünen, um ihrer Tochter die Veränderungen durch Sandaufspülungen zu zeigen. Plötzlich gab der Boden nach. Zuerst versank der Hund, dann die Frau selbst. Innerhalb von Sekunden steckte Darbyshire bis zur Hüfte im Sand. „Ich konnte nicht glauben, wie schnell ich wegsank“, berichtete sie dem Guardian. „Wenn man ein Bein herauszog, versank man nur noch tiefer.“ In Panik rief sie immer wieder „Scheiße“ und „Oh mein Gott“. Mit letzter Kraft konnte sie sich befreien. „Ich erinnere mich, dass ich dachte: ‚Nein, so darf das nicht enden‘, und habe mich weiter durchgekämpft“, sagte sie dem australischen Sender ABC. „Es war totale Angst im ganzen Körper.“ Erst am Auto wurde ihr das Ausmaß bewusst, als sie das Video abspielte.
Nicht der erste Vorfall an dieser Stelle
Nur Tage zuvor war die 20-jährige Madz June in dieselbe Situation geraten. Sie sprang über einen kleinen Bach und ihr Bein fiel „direkt durch“ den Sand. Ihre Beine fühlten sich an, als wären sie „vakuumversiegelt in einem Beutel“. Nach zehn bis 15 Minuten, als die Flut im Anmarsch war, rief sie den Notruf. Vier Polizisten und fünf Feuerwehrleute zogen sie schließlich heraus. Die Gemeindeverwaltung hat inzwischen Warnschilder an allen betroffenen Strandabschnitten aufgestellt.
Ursache: Küstenschutzmaßnahmen
Das Ministerium für Umwelt und Wasser des Bundesstaates South Australia erklärte die Ursache: An diesem Küstenabschnitt wird jedes Jahr Sand aufgespült. Natürlicher Strandsand aus dem West Beach Harbour wird nach Glenelg North verfrachtet, um den Strandpegel zu erhöhen – zum Schutz von Steinmauern, Straßen und Gebäuden vor Winterstürmen. Die frisch aufgeschütteten Sandmassen, durchdrungen von aufsteigendem Grundwasser, werden so zur Falle. Ein Ministeriumssprecher versicherte, dass die Schilder bereits vor Beginn der Arbeiten aufgestellt worden seien.
Was ist Treibsand wirklich?
Benjy Marks, Dozent für Bauingenieurwesen an der Universität Sydney, erklärte die Physik: Treibsand ist eine Aufschlämmung aus Sand, Wasser und feinen Sedimenten. Wasser, das von unten nach oben durch den Sand dringt, destabilisiert ihn. Tritt man hinein, drückt das Gewicht das Wasser heraus – Sand und Ton verdichten sich um die Beine und klemmen sie ein wie ein Schraubstock. Ohne Erdbeben sei ein solches Phänomen jedoch „selten“. Anders als im Kino zieht Treibsand einen nicht vollständig unter die Oberfläche. Da Sand dichter ist als der menschliche Körper, sinkt man in der Regel nicht tiefer als bis zur Hüfte. Die wirkliche Gefahr ist das Feststecken bei steigender Flut. Wer in Treibsand gerät, sollte nicht in Panik verfallen, sich auf den Rücken legen und sich nach außen „herausschwimmen“.
Kinomythen und Realität
Dass Treibsand als lebensbedrohlich gilt, ist eher dem Kino zu verdanken. Von den 1950ern bis in die frühen 2000er Jahre war das langsame Versinken ein festes Horrorsujet in Hollywood-Filmen – von „Die Braut des Prinzen“ (1987) über „Die unendliche Geschichte“ (1984) bis hin zu „Batman und Robin“ (1967). Sarah Darbyshire hat das nicht gebraucht. Nur Kraft, Entschlossenheit – und einen Hund namens Mr. Bean, dem zum Glück nichts passiert ist. „Wie viele Menschen können sagen, dass sie einen echten Indiana-Jones-Moment erlebt haben?“, fragte sie lachend.



