Japans Adoption statt Reform: Frauen vom Kaiserthron ferngehalten
Adoption statt Reform: Japans Frauen vom Thron fern

Die japanische Regierung unter Premierministerin Sanae Takaichi plant, die kaiserliche Erbfolge durch Adoptionen männlicher Mitglieder ehemaliger Seitenlinien zu sichern, anstatt Frauen den Thron zu erlauben. Diese Entscheidung stößt auf scharfe Kritik von Experten, die vor dem Untergang des Kaiserhauses warnen.

Erbenkrise in der ältesten Erbmonarchie

Der japanischen Kaiserfamilie gehen die Thronfolger aus. Derzeit dürfen nur Männer aus der direkten männlichen Linie den Chrysanthementhron besteigen. Frauen wie Prinzessin Aiko (24), die einzige Tochter von Kaiser Naruhito, bleibt der Thron verwehrt, obwohl viele Bürger sie als künftige Kaiserin sehen.

Nachfolger für Kaiser Naruhito (66) sind theoretisch nur drei Kandidaten: Kronprinz Akishino (60), sein Sohn Prinz Hisahito (19) und Prinz Hitachi (90). Sollte Hisahito keinen männlichen Nachwuchs zeugen, könnte ein adoptiertes Mitglied einer ehemaligen Nebenlinie einspringen.

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Die Regierung will das Kaiserhausgesetz revidieren, um männliche Mitglieder der elf Nebenlinien, die nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Status verloren, adoptieren zu können. Diese Kandidaten – mindestens 15 Jahre alt und unverheiratet – könnten dann zwar selbst nicht Kaiser werden, aber ihre männlichen Nachkommen.

Experten warnen vor Scheitern des Plans

Doch der Adoptionsplan stößt auf Widerstand. Sven Saaler, Professor an der Sophia University in Tokio, erklärt: „Aus den ehemaligen Zweigfamilien kamen bisher nur präventive Absagen. Mehrere Mitglieder erklärten, sie stünden für eine Adoption nicht zur Verfügung.“

Ernst Lokowandt, Kaiserhaus-Experte, betont: „Die reinzuholen, ist sehr, sehr schwierig. Sie müssten bereit sein, ihre Freiheit gegen das streng geregelte Leben hinter Palastmauern zu tauschen.“

Atsushi Nito, emeritierter Professor am Nationalmuseum für japanische Geschichte, bezweifelt die Akzeptanz in der Öffentlichkeit. Er plädiert dafür, Frauen aus der männlichen Linie die Thronfolge zu ermöglichen – ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es bereits acht Kaiserinnen gab, zuletzt Go-Sakuramachi im Jahr 1762.

Zeitdruck und Kritik an der Regierung

Das Kaiserhaus zählt nur noch 16 Mitglieder. Lokowandt sieht keine Alternative: „Sonst geht das Kaiserhaus unter.“ Doch Premierministerin Takaichi, die erste Frau in diesem Amt, lehnt eine Thronfolge für Frauen ab. Sie wird zitiert: „Die beispiellose historische Tatsache, dass die kaiserliche Linie seit 126 Generationen über die männliche Linie fortbesteht, ist die Grundlage für die Autorität und Legitimität des Kaisers.“

Axel Klein, Professor an der Universität Duisburg-Essen, kommentiert: „Wie ein Gesetz, das die Beschädigung der Landesflagge unter Strafe stellt, ist das Tenno-Gesetz ein Ausdruck des unter Takaichi gewachsenen Einflusses der Erzkonservativen im Land.“

Sven Saaler ergänzt: „Die Revision zeigt, dass Geschlechtergleichberechtigung nicht zu den Prioritäten der Ministerpräsidentin gehört. Eine Frau auf dem Kaiserthron ist mit der Gesetzesänderung in noch weitere Ferne gerückt.“ Die Regierung will die Revision noch vor Ende der laufenden Parlamentssitzung am 17. Juli in Kraft setzen.

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