Cider-Krieg zwischen Nord- und Südeuropa: EU-Regeln bedrohen Schwedens Boom
Cider-Krieg: EU-Regeln bedrohen Schwedens Exportboom

Schweden ist Europas Cider-Exportweltmeister, doch neue EU-Regeln könnten den Boom jäh beenden. Brüssel löst damit einen handfesten Streit zwischen Nord- und Südeuropa aus.

Vielfalt in Nordeuropa

Cider-Fans haben in Finnland die Qual der Wahl: Mehr als 70 verschiedene Sorten lassen sich durchprobieren. Im Nachbarland Schweden ist die Auswahl mit 288 Sorten noch größer. Mutige können Erdbeere-Limone kosten, saure Wassermelone oder Apfelwein mit Piña-Colada-Geschmack. Wer es weniger ausgefallen mag, greift zu klassischem Apfel oder Birne.

Wird Cider im Norden oft in Dosen verkauft, schlürfen Iren ihn in Pubs aus Pint-Gläsern. Französische Puristen trinken Cidre elegant aus kleinen Fläschchen zu Crêpes, Käse oder Fisch. Hier gilt eine Regelung von 1953: ausschließlich Apfelsaft wird verarbeitet. Aus Sicht der EU ist das die „reinste“ Variante und soll geschützt werden.

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EU plant Standardisierung

Geht es nach der EU-Kommission, soll mit dieser Diversität bald Schluss sein. Seit Jahren bereitet Brüssel ein neues Regelwerk vor, um die Definition von Cider zu standardisieren. Die Kommission möchte, dass Verbraucher besser verstehen, was sie kaufen. In Finnland, Schweden und Dänemark regt sich breiter Widerstand – die Länder fürchten sinkende Verkaufszahlen.

Frankreich gilt mit seinem reinen Cidre als weltweit größter Produzent von Apfelwein. Schweden hat sich trotz kurzer Tradition zum europäischen Exportweltmeister gemausert – obwohl das Interesse im eigenen Land gering ist. Laut schwedischem Zentralverband für Alkohol- und Drogeninformation macht Cider nur zwei Prozent des gesamten Alkoholkonsums aus.

Protest aus dem Norden

Bereits 2023 kündigte die Kommission Vermarktungsnormen für Apfel- und Birnenwein an, um „faire Wettbewerbsbedingungen“ und „Vertrauen der Verbraucher“ zu stärken. Die nordischen Länder protestierten, woraufhin die Kommission einen weniger strengen Entwurf vorlegte – der jedoch in Finnland, Schweden und Dänemark weiterhin auf Ablehnung stößt.

Brüssel will die Bezeichnungen „Premium Cider“ oder „Cider“ Getränken vorbehalten, die vollständig oder zu mindestens 50 Prozent aus Apfel- oder Birnensaft bestehen. Andere Produkte, wie Apfelwein mit Holundergeschmack, sollen sich nur „Cider-basierte Getränke“ nennen dürfen. Ähnliches gilt für Sorten, die zu 85 Prozent aus Zucker und Wasser bestehen.

Verdacht auf Kampagne aus Südeuropa

Nordische Abgeordnete im Europäischen Parlament wittern hinter dem Vorschlag eine Kampagne aus Madrid und Paris, um die vielfältige nordische Konkurrenz per EU-Gesetzgebung auszubremsen. Als Brüssel vor drei Jahren erstmals über eine Standardisierung diskutierte, äußerten sich französische Weinhersteller in nationalen Medien nicht abgeneigt. Dort gilt: 100 Prozent Apfel oder nichts – alles andere sei „billige Limonade“.

Nordeuropa versucht nun öffentlichkeitswirksam seinen Standpunkt zu behaupten. Ende Juni veröffentlichten sechs Mitglieder des Europäischen Parlaments aus Finnland und Dänemark einen offenen Brief auf LinkedIn. Darin heißt es: „Es ist Sommer 2027. Sie gehen zu Ihrer Lieblingsbar, bestellen ein Glas Cider – und werden gefragt: Meinen Sie Premium Cider, Cider oder Cider-Getränk?“

Traditionelle Marken könnten in neue regulatorische Kategorien gezwungen werden, argumentieren die Abgeordneten. Zudem liefere der Entwurf EU-Gegnern „ein leichtes Angriffsziel“ und Belege dafür, dass „Brüssel zu technokratisch und vom Alltag der Menschen abgehoben“ sei. In der schwedischen Tageszeitung „Svenska Dagbladet“ wird der Konflikt bereits als „Cider-Krieg“ beschrieben. In Brüssel wird sich entscheiden, wer ihn gewinnt.

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