Die Europäische Union plant eine weitreichende Kehrtwende in der Zahlungspolitik: Bargeld soll in Zukunft wieder nahezu überall akzeptiert werden müssen. Dies geht aus einem Gesetzesentwurf hervor, der Medienberichten zufolge in Brüssel erarbeitet wird. Demnach sollen Geschäfte, Behörden und sogar Verkehrsbetriebe verpflichtet werden, Zahlungen mit Scheinen und Münzen anzunehmen.
Bargeld als Grundrecht: Neue Pflichten für Händler und Ämter
Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der immer mehr Lokale, Geschäfte und öffentliche Einrichtungen auf bargeldlose Zahlungen umstellen. Schilder mit der Aufschrift „Nur Kartenzahlung“ sind vielerorts zu sehen. Die EU will diesen Trend nun stoppen. Nach dem Willen der Kommission soll Bargeld als gesetzliches Zahlungsmittel gestärkt werden. Konkret bedeutet dies, dass Bürgerinnen und Bürger in Zukunft in Bürgerämtern, im Nahverkehr und in den meisten Geschäften wieder mit Scheinen und Münzen bezahlen können müssen.
Ausnahmen und Grenzen: Wo Bargeld weiterhin abgelehnt werden darf
Allerdings sind auch Ausnahmen vorgesehen. So sollen Kleinstbeträge unter einem Euro weiterhin bargeldlos abgewickelt werden können. Auch bei technischen Problemen oder Sicherheitsbedenken – etwa in der Nacht – könnten Ausnahmen gelten. Zudem sind Obergrenzen für Barzahlungen geplant, um Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Der genaue Betrag ist noch nicht festgelegt, dürfte aber im Bereich von mehreren tausend Euro liegen.
Privatsphäre als Argument: Warum die EU auf Bargeld setzt
Ein zentrales Motiv für die Initiative ist der Schutz der Privatsphäre. „Bargeld ist das einzige Zahlungsmittel, das keine digitalen Spuren hinterlässt“, erklärte ein EU-Kommissar gegenüber der Presse. „In einer Zeit, in der Daten immer wertvoller werden, müssen wir die Wahlfreiheit der Bürger sichern.“ Die EU-Kommission betont, dass Bargeld ein wichtiges Instrument zur Wahrung der finanziellen Selbstbestimmung sei. Die neuen Regeln sollen daher sicherstellen, dass niemand gezwungen wird, ausschließlich digital zu bezahlen.
Reaktionen: Lob und Kritik für die Bargeld-Offensive
Die Pläne stoßen auf geteilte Reaktionen. Verbraucherschützer begrüßen den Schritt als Sieg für die Privatsphäre und die Wahlfreiheit. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) warnt hingegen vor höheren Kosten für Unternehmen, die nun wieder Bargeld verwalten müssten. Auch die Finanzbranche äußert Bedenken, da bargeldlose Zahlungen als effizienter gelten. Die EU will jedoch mit Übergangsfristen und Ausnahmen für kleine Händler einen Ausgleich schaffen.
Nächste Schritte: Inkrafttreten und Umsetzung
Der Gesetzesentwurf soll noch in diesem Jahr formell vorgelegt werden. Nach Verhandlungen mit dem Europaparlament und den Mitgliedstaaten könnte die Verordnung 2027 in Kraft treten. Die EU-Mitglieder wären dann verpflichtet, die Regeln in nationales Recht umzusetzen. In Deutschland, wo Bargeld traditionell einen hohen Stellenwert hat, dürfte die Umsetzung auf breite Zustimmung stoßen. Die Bundesregierung hat sich bereits mehrfach für den Erhalt des Bargelds ausgesprochen.



