Die französischen Sicherheitsbehörden haben Hinweise auf eine russische Einmischung vor der Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr. Wie die Nachrichtenagentur AFP aus Sicherheitskreisen erfuhr, wurde in der vergangenen Woche eine Desinformationskampagne aufgedeckt, die sich gegen den Linkspolitiker, Kreml-Kritiker und wahrscheinlichen Präsidentschaftskandidaten Raphaël Glucksmann richtete. Die Kampagne ging auf das Propagandanetzwerk Storm-1516 zurück, das mit dem russischen Geheimdienst in Verbindung gebracht wird.
Glucksmann: „Russische Sicherheitsdienste haben Operationen begonnen“
„Die russischen Sicherheitsdienste haben ihre Operationen zur Destabilisierung des Wahlkampfs für 2027 begonnen“, schrieb Glucksmann selbst in Onlinenetzwerken. Die ihn betreffende, erfundene Geschichte sei auf einer Website erschienen, die das seriöse Onlinemedium Blast imitierte. Sie habe gefälschte Dokumente, mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) reproduzierte Stimmen und ein vollständig gefälschtes Video enthalten.
„Das Ziel besteht darin, eine komplette Lüge viral gehen zu lassen, um Persönlichkeiten zu diffamieren, die vom russischen Regime als feindlich angesehen werden“, erklärte Glucksmann, der das Vorgehen Russlands in der Ukraine wiederholt scharf kritisiert hat. Die Kampagne zielt darauf ab, politische Gegner Moskaus zu diskreditieren und den Wahlkampf zu destabilisieren.
Auch Ex-Premierminister Philippe betroffen
Storm-1516 hatte im vergangenen Monat auch Ex-Premierminister Edouard Philippe ins Visier genommen, der ebenfalls bei der Präsidentschaftswahl antreten will. Dazu wurden nach Angaben aus Sicherheitskreisen in Onlinenetzwerken Falschinformationen über seinen Gesundheitszustand verbreitet. Der Mitte-Rechts-Politiker Philippe gilt als der Politiker, der dem rechtspopulistischen Rassemblement National (RN) am ehesten Paroli bieten kann.
Dem RN um Marine Le Pen werden seine bislang besten Chancen auf einen Wahlsieg eingeräumt - trotz der Verurteilung Le Pens wegen Veruntreuung von EU-Geldern. Die Desinformationskampagne könnte darauf abzielen, die politische Landschaft zugunsten Russlands zu beeinflussen, indem sie gemäßigte Kräfte schwächt.
Parallelen zu Deutschland
Im Vorfeld der Bundestagswahl im vergangenen Jahr hatten die deutschen Sicherheitsbehörden ebenfalls mutmaßliche russische Desinformation registriert. Auch hier deuteten die Erkenntnisse auf einen Bezug zu Storm-1516 hin. Die Aufdeckung in Frankreich zeigt, dass russische Einflussnahme ein wiederkehrendes Phänomen in europäischen Wahlkämpfen ist.
Die französischen Ermittler arbeiten nun daran, die Urheber der Kampagne zu identifizieren und weitere gefälschte Inhalte zu stoppen. Die Öffentlichkeit wird aufgefordert, kritisch mit Informationen umzugehen und Quellen zu überprüfen. Die Regierung in Paris hat angekündigt, die Maßnahmen zur Abwehr von Desinformation zu verstärken.



