Das japanische Unterhaus hat am 10. Juli 2026 mit deutlicher Mehrheit für einen Gesetzentwurf gestimmt, der die Adoption entfernter männlicher Verwandter in die kaiserliche Familie ermöglicht. Ziel der Regelung ist es, eine drohende Thronfolge-Krise abzuwenden, da derzeit nur ein einziger junger Mann, Prinz Hisahito, als künftiger Tennō in Frage kommt.
Adoption als Ausweg aus der Thronfolge-Krise
Der Gesetzentwurf sieht vor, dass die kaiserliche Familie männliche Verwandte adoptieren darf, die älter als 15 Jahre sind. Zudem sollen Prinzessinnen, die einen Bürgerlichen heiraten, ihren kaiserlichen Status behalten können. Die Möglichkeit einer weiblichen Thronfolgerin wird in dem Entwurf nicht erwähnt, obwohl Umfragen zufolge eine breite gesellschaftliche Unterstützung für eine Kaiserin besteht.
Die Abstimmung fand im Unterhaus statt, in dem die konservative Liberaldemokratische Partei (LDP) von Regierungschefin Sanae Takaichi die Mehrheit stellt. In der kommenden Woche soll das Oberhaus über den Entwurf beraten.
Aktuelle Thronfolge: Nur ein junger Mann
Seit 1947 schließt ein Gesetz Frauen von der Thronfolge aus. Nur männliche Nachkommen der Kaiserfamilie väterlicherseits dürfen den Chrysanthementhron besteigen. Derzeit hängt der Fortbestand der Dynastie allein von dem 19-jährigen Prinzen Hisahito ab, dem Neffen des 66-jährigen Kaisers Naruhito. Hisahito ist der einzige junge Mann in der kaiserlichen Familie.
Die anderen männlichen Mitglieder sind entweder ältere Männer, wie der 92-jährige frühere Kaiser Akihito und sein 90-jähriger Bruder Masahito, oder Kronprinz Akishino, der jüngere Bruder des Kaisers und Vater von Hisahito. Insgesamt zählt die kaiserliche Familie derzeit 16 Mitglieder.
Prinzessin Aiko: Kein Thronrecht
Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako haben eine Tochter, die 24-jährige Prinzessin Aiko. Nach geltendem Recht müsste sie die Kaiserfamilie verlassen, wenn sie einen Bürgerlichen heiratet. Zudem ist sie als Frau nicht thronfolgeberechtigt. Der Gesetzentwurf würde ihr zwar erlauben, auch nach einer Heirat ihren Status zu behalten, aber ein Thronrecht würde ihr nicht eingeräumt.
Die Regierung unter Sanae Takaichi lehnt eine Öffnung des Throns für Frauen weiterhin ab. Takaichi hatte im Parlament erklärt, dass sie keine Änderung der Thronfolgeordnung zugunsten von Frauen befürworte. Der nun verabschiedete Entwurf gilt als konservativer Kompromiss, um die Thronfolge zu sichern, ohne das traditionelle Prinzip der männlichen Erbfolge aufzugeben.



