Papst Leo XIV. in Spanien: König Felipe fordert Aufarbeitung von Missbrauch
Papst in Spanien: König Felipe fordert Aufarbeitung

Madrid (Spanien) – Eine Heilige Messe bei strahlendem Sonnenschein auf dem prächtigen Cibeles-Platz in Madrid zog eine Rekordmenge an Gläubigen an. Doch trotz der festlichen Atmosphäre war ein ernstes Thema allgegenwärtig. Nach Angaben der Veranstalter verfolgten rund 1,2 Millionen Menschen die Predigt von Papst Leo XIV. (70) – die bisher größte Menschenansammlung bei einer Messe des aus Amerika stammenden Pontifex, der im Mai des Vorjahres zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde. Inmitten der Menge befanden sich auch die spanischen Royals. König Felipe, der als tief religiös gilt, nutzte die Gelegenheit, um einen wunden Punkt der Kirche anzusprechen.

Papst ruft zu lebendigem Glauben auf

Während seiner Predigt forderte Leo XIV. die Anwesenden auf, Religion nicht als „Museum der Vergangenheit“ zu betrachten. Vielmehr sei sie „eine Schule des Glaubens“, aus der auch in der heutigen Zeit geschöpft werden könne. Die Gläubigen sollten ihren Fokus auf Nächstenliebe und Gerechtigkeit legen. Von Gerechtigkeit sprach auch Spaniens König Felipe einen Tag zuvor, als er den Finger in die Wunde legte.

König Felipe spricht Missbrauchsfälle an

Der Monarch empfing den Papst im Königspalast und wies in einer anschließenden Rede auf die Missbrauchsfälle innerhalb der Kirche hin. Diese seien „weder repräsentativ für die große kirchliche Gemeinschaft noch können sie es jemals sein“. Die Klarheit und Entschlossenheit des Papstes seien „unerlässlich für den Heilungsprozess und die Wiedergutmachung des angerichteten Schadens – unerlässlich für die Opfer, für die Gläubigen, für die Kirche und für die gesamte Gesellschaft“.

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Erst kürzlich hatte eine neue Studie aus Deutschland die katholische Kirche erschüttert: Über Jahrzehnte hinweg sollen mehr als 200 Priester im Bistum Paderborn fast 500 Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Betroffene sprechen von einem „kirchlichen Pädophilen-Netzwerk“. Aufgrund dieser Skandale haben sich auch viele Spanier von der Kirche abgewandt. Das große Interesse an der Madrider Messe von Papst Leo am Sonntag wird daher als positives Signal für den Vatikan gewertet. Der Papst unterstützt die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle – am Montagnachmittag wird er in Madrid Betroffene treffen, die Opfer sexualisierter Gewalt durch Geistliche in Spanien geworden sind.

Spanische Kirche vereinbart Entschädigungen

Im März hatten die spanische Regierung und die katholische Kirche nach jahrelangen Verhandlungen ein Abkommen zur finanziellen Entschädigung von Opfern sexueller Übergriffe geschlossen. Betroffene können einen Antrag bei einer staatlichen Stelle einreichen. Eine Untersuchungskommission hatte die Zahl der Opfer seit 1940 auf mehr als 200.000 beziffert. König Felipe, der als tiefgläubig gilt, setzt sich für eine umfassende Aufklärung ein.

Papst Leo XIV. bleibt eine ganze Woche in Spanien. Weitere Stationen seiner Reise sind Barcelona und die Kanarischen Inseln.

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