In Polen mehren sich die Berichte über Angriffe auf ukrainische Staatsbürger. Während das Land zu Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 Hunderttausende Flüchtlinge aufnahm, kippt die Stimmung nun offenbar. Ein politischer Streit zwischen Warschau und Kiew heizt die Lage zusätzlich an. Innenminister Marcin Kierwinski kündigte ein entschlossenes Vorgehen der Polizei an: „Null Toleranz!“
Vorfälle in mehreren Städten
Besondere Aufmerksamkeit erregte ein Zwischenfall in Bielsko-Biala im Südwesten Polens. In einem Bus beschimpfte ein Mann ukrainische Mädchen und forderte sie auf, in ihr Land zurückzukehren. In Sosnowiec im Süden wurde ein Mann verhaftet, der innerhalb weniger Wochen dreimal Ukrainer attackiert haben soll. In Łódź erstattete ein Pole Anzeige, nachdem er zusammengeschlagen und am Kopf verletzt worden war – der Täter hielt ihn für einen Ukrainer. Die Nachrichtenagentur PAP berichtete unter Berufung auf Polizeiangaben.
Politische Hintergründe
Innenminister Kierwinski macht die politische Rechte für die Stimmungsmache gegen die rund 1,5 Millionen Ukrainer in Polen verantwortlich. Die linksliberale Zeitung „Gazeta Wyborcza“ spricht von einer „Hetzjagd“, deren Ziel die Ukrainer seien, die angeblich für alle Probleme verantwortlich gemacht würden. Der Streit zwischen Polen und der Ukraine entzündete sich an der unterschiedlichen Bewertung der Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA), die in den Jahren 1943–45 Massaker an Polen verübte. Die Ukraine ehrt die UPA-Kämpfer als Freiheitskämpfer, was in Polen auf Empörung stößt.
Auswirkungen auf die Zusammenarbeit
Der Konflikt droht nun auch die militärische und wirtschaftliche Kooperation zu beeinträchtigen. Der PiS-Abgeordnete Janusz Kowalski stellte auf X die Frage, ob Ukrainer im wehrfähigen Alter in ihre Heimat zurückgeschickt werden sollten. Der konservative Publizist Lukasz Warzecha bezeichnete die Übergriffe als Einzelfälle, die übertrieben dargestellt würden. Die meisten Ukrainer fühlten sich in Polen wohl. Dennoch ist das Verhältnis zwischen beiden Ländern im fünften Kriegsjahr auf einem Tiefpunkt angelangt.



