Erstmals seit 2013: Zahl der Geflüchteten in Deutschland sinkt
Erstmals seit 2013: Geflüchtetenzahl in Deutschland sinkt

Die Zahl der Geflüchteten und Asylsuchenden in Deutschland ist 2025 einer Studie zufolge erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt gesunken. Sie ging um 4,7 Prozent auf 2,95 Millionen zurück, wie aus Berechnungen des Centre for the Research and Analysis of Migration der Rockwool Foundation Berlin hervorging, die der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlagen.

Stabile Zahlen in der EU

Gleichzeitig blieb die Gesamtzahl der Flüchtlinge und Asylsuchenden in der Europäischen Union und im Vereinigten Königreich mit insgesamt 9,59 Millionen gegenüber den 9,58 Millionen des Vorjahres nahezu unverändert.

„Die Phase des raschen Wachstums der Flüchtlingsbevölkerung in Europa scheint zu Ende gegangen zu sein“, sagte der Mailänder Wirtschaftsprofessor Tommaso Frattini, der zugleich stellvertretender Direktor des Centre for the Research and Analysis of Migration bei der Rockwool Foundation ist. 2024 waren die Zahlen in der EU und Großbritannien noch um insgesamt 6,3 Prozent gestiegen.

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Weniger Asylanträge aus Syrien

Nach dem Ende des Bürgerkrieges in Syrien (2013-2024) sank 2025 insbesondere die Zahl der Asylanträge von Bewerbern aus diesem arabischen Land europaweit um mehr als 70 Prozent. Die Geflüchtetenzahlen in Europa seien aber nach wie vor historisch hoch, sagte Frattini.

In den Jahren nach der russischen Invasion vom Februar 2022 haben viele Ukrainer Schutz im Westen gesucht. Europaweit stellten Ukrainer 2025 knapp die Hälfte der Geflüchteten und Asylsuchenden.

Vier Millionen Geflüchtete in Deutschland

In Deutschland haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 2025 mehr als vier Millionen Geflüchtete und Vertriebene gelebt. Sie kamen aufgrund von Flucht, Asyl oder auf der Suche nach internationalem Schutz. Insgesamt 3,3 Millionen Menschen sind seit 1950 aus Gründen von Flucht und Vertreibung zugewandert. Fast die Hälfte dieser Gruppe stammte aus der Ukraine oder Syrien. Jeweils ein Drittel der Geflüchteten wanderte von 2014 bis 2021 sowie von 2022 bis 2025 ein.

Lage je nach Land sehr unterschiedlich

„Viele Menschen, die als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen sind, leben weiterhin hier. Sie erscheinen jedoch nicht mehr in der Flüchtlingsstatistik, weil sie inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit erworben haben“, sagte Christian Dustmann, Direktor der Rockwool Foundation Berlin und Professor für Wirtschaftswissenschaften am University College London.

Dies zeige, dass Veränderungen bei den Flüchtlingszahlen nicht einfach als Veränderungen bei den Ein- oder Ausreisen interpretiert werden könnten. Freiwillige Rückkehrer machten nur einen geringen Anteil der Rückgänge aus. Je nach Land zeigt sich die Lage aber sehr unterschiedlich. Während Italien 2025 einen Rückgang der Zahl von Flüchtlingen und Asylsuchenden von 17,9 Prozent verzeichnete, stiegen die Zahlen in Frankreich, Spanien und Großbritannien.

Polen hatte eine gleichbleibende Zahl von Geflüchteten und Asylbewerbern. Wie es mit dem Migrationsgeschehen in Europa weitergeht, hängt laut den Experten der Rockwool Foundation vor allem vom Kriegsverlauf in der Ukraine und von den Auswirkungen des neuen EU-Pakts über Migration und Asyl ab. Gleichzeitig warnen sie: „Ein neuer großer Konflikt in der Nähe Europas könnte die derzeitige Stabilisierung schnell umkehren.“ Die Berechnungen der Rockwool Foundation basieren auf Zahlen des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen und vom EU-Statistikamt Eurostat.

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