EU-Asylpolitik: „Return Hub“ ist ein purer Euphemismus
EU-Asylpolitik: „Return Hub“ ist purer Euphemismus

Die Europäische Union plant eine Verschärfung ihrer Asylpolitik: In Drittstaaten sollen sogenannte „Return Hubs“ errichtet werden, in denen abgelehnte Asylbewerber untergebracht werden, bevor sie abgeschoben werden. Migrationsforscherin Birgit Glorius von der Technischen Universität Chemnitz äußert sich in einem Interview mit dem SPIEGEL kritisch zu diesen Plänen. Sie bezeichnet den Begriff „Return Hub“ als „puren Euphemismus“ und warnt vor den problematischen Folgen dieser Politik.

Kritik an der EU-Asylpolitik

Glorius erklärt, dass die Bezeichnung „Return Hub“ suggeriere, es handele sich um eine Art Service-Einrichtung zur Rückkehrhilfe. Tatsächlich aber würden hier Menschen inhaftiert, die kein Bleiberecht haben, aber oft nicht abgeschoben werden können. Die Forscherin betont, dass solche Zentren in Drittstaaten nicht nur rechtliche und ethische Fragen aufwerfen, sondern auch praktisch wenig effektiv seien. „Die EU lagert ihre Verantwortung aus, anstatt die Asylverfahren zu beschleunigen und die Integration zu fördern“, so Glorius.

Rechtliche Bedenken

Die Migrationsforscherin weist darauf hin, dass die Einrichtung von Abschiebezentren in Drittstaaten völkerrechtlich fragwürdig sei. Insbesondere das Prinzip der Nichtzurückweisung (Non-Refoulement) könnte verletzt werden, wenn Menschen in Länder gebracht werden, in denen ihnen Verfolgung oder unmenschliche Behandlung droht. Zudem sei unklar, wie die Zusammenarbeit mit den Drittstaaten gestaltet werden soll. „Viele dieser Länder haben selbst eine fragwürdige Menschenrechtsbilanz“, sagt Glorius.

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Praktische Herausforderungen

Neben den rechtlichen Bedenken sieht Glorius auch praktische Hürden. Die Rückführung abgelehnter Asylbewerber aus Drittstaaten sei oft kompliziert und langwierig. Die EU müsse sicherstellen, dass die Zentren menschenwürdige Bedingungen bieten und die Rechte der Insassen gewahrt bleiben. „Ohne klare Regelungen drohen diese Hubs zu rechtsfreien Räumen zu werden“, warnt die Forscherin.

Alternative Lösungen

Glorius plädiert stattdessen für eine Reform des europäischen Asylsystems. Sie fordert schnellere Asylverfahren, mehr legale Einwanderungswege und eine bessere Integration von Flüchtlingen. „Die Lösung liegt nicht in der Abschottung, sondern in einer humanen und solidarischen Flüchtlingspolitik“, betont sie. Die EU müsse ihre Außengrenzen schützen, aber gleichzeitig ihre humanitären Verpflichtungen ernst nehmen.

Das Interview mit Birgit Glorius zeigt, dass die geplanten „Return Hubs“ auf breite Kritik stoßen. Die Migrationsforscherin hofft, dass die EU ihre Pläne überdenkt und stattdessen auf nachhaltige und menschenrechtskonforme Lösungen setzt.

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