Die Fluchtroute über das östliche Mittelmeer gewinnt wieder an Bedeutung. Tausende Menschen brechen von Ostlibyen aus in Richtung Griechenland auf. Die Abschottungspolitik Europas zeigt bislang kaum Wirkung. In diesem Zusammenhang rückt zunehmend die Rolle Russlands in den Fokus, das die Region destabilisieren soll.
Neue Fluchtrouten über das östliche Mittelmeer
Nach Angaben der griechischen Küstenwache wurden allein in den letzten Wochen Hunderte Migranten vor der Küste Kretas aus oft seeuntüchtigen Schlauchbooten gerettet. Die Überfahrten starten überwiegend in der Region um Tobruk im Osten Libyens. Von dort ist die Überfahrt nach Kreta kürzer als die zentrale Mittelmeerroute nach Italien oder Malta.
Die EU-Grenzschutzagentur Frontex registrierte für das erste Halbjahr 2026 einen Anstieg der Ankünfte auf dieser Route um 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Insgesamt erreichten rund 8.000 Menschen Griechenland auf diesem Weg, viele von ihnen stammen aus Subsahara-Afrika, aber auch aus Syrien und dem Irak.
Warum viele jetzt auf Putin zeigen
Beobachter machen für die Zunahme der Fluchtbewegungen auch die russische Einflussnahme in Libyen verantwortlich. Russland unterstützt den abtrünnigen General Khalifa Haftar, der weite Teile Ostlibyens kontrolliert. „Die russische Präsenz in Libyen zielt darauf ab, Europa zu destabilisieren und Druck auf die EU auszuüben“, zitiert die Funke Mediengruppe einen nicht namentlich genannten Geheimdienstmitarbeiter.
Durch die Unterstützung Haftars werde die Lage für die Zivilbevölkerung immer prekärer, was viele zur Flucht treibe. Gleichzeitig behindere die russische Seite angeblich gezielt die libysche Küstenwache bei der Bekämpfung von Schleppern, um die Migration nach Europa zu fördern. Moskau weist diese Vorwürfe zurück.
Europas Abschottungspolitik am Limit
Die EU hat in den vergangenen Jahren massiv in die Sicherung der Außengrenzen investiert. Die griechische Küstenwache wird durch Frontex-Einsätze unterstützt. Dennoch gelingt es den Schlepperbanden immer wieder, Menschen über das Meer zu bringen. „Die Zahl der Toten im Mittelmeer steigt wieder“, warnt die Internationale Organisation für Migration (IOM). Im Jahr 2025 starben oder verschwanden mindestens 2.500 Menschen auf der zentralen und östlichen Mittelmeerroute.
Die griechische Regierung fordert mehr Unterstützung aus Brüssel. Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis erklärte: „Wir brauchen eine gemeinsame europäische Lösung, die sowohl die Außengrenzen schützt als auch die Fluchtursachen bekämpft.“ Die EU-Kommission hat neue Abkommen mit nordafrikanischen Staaten angekündigt, um die Migration zu steuern. Kritiker bezweifeln jedoch deren Wirksamkeit.
Die Rolle der libyschen Milizen
Die instabile Lage in Libyen ist ein zentraler Treiber der Fluchtbewegungen. Nach dem Sturz von Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 ist das Land in mehrere Machtbereiche zerfallen. Im Osten herrscht Haftar mit Unterstützung Russlands, im Westen dominiert die international anerkannte Regierung in Tripolis. Die Milizen beider Seiten verdienen an der Schleuserkriminalität mit und lassen die Lager für Flüchtlinge verkommen.
Menschenrechtsorganisationen berichten von willkürlicher Inhaftierung, Folter und Erpressung in libyschen Detentionszentren. Viele Flüchtlinge sehen daher nur den Weg über das Meer als Ausweg. „Die Zustände in Libyen sind unerträglich, wir müssen hier handeln“, fordert Amnesty International.
Aussichten für die kommenden Monate
Mit dem Beginn des Sommers werden die Überfahrten über das Mittelmeer wieder häufiger. Die griechischen Behörden rechnen mit weiteren Ankünften. Die EU hat ihre Mittel für die Seenotrettung aufgestockt, doch die Rettungsschiffe sind oft überlastet. Die Diskussion über eine Verteilung der Geretteten auf die Mitgliedstaaten bleibt kontrovers.
Die Funke Mediengruppe berichtet, dass die neue Route über Ostlibyen nach Griechenland eine der derzeit dynamischsten Fluchtrouten ist. Die Frage nach der Verantwortung Russlands wird die europäische Debatte über Migration und Sicherheit weiter prägen.



