Tansanische Ordensschwestern pflegen Senioren in Thüringen
Tansanische Ordensschwestern pflegen in Thüringen

Im Altenpflegezentrum „Hospital zum Heiligen Geist“ in Heilbad Heiligenstadt erklingt seit Kurzem „Baba Yetu“ anstelle des Vaterunsers. Drei Ordensschwestern der Gemeinschaft „Immaculate Heart of Mary Sisters of Morogoro“ aus Tansania sind seit April als Pflegekräfte tätig. Nun wurde der erste Konvent dieser Gemeinschaft in Deutschland in einem festlichen Pontifikalamt durch den Erzbischof des Bistums Erfurt, Ulrich Neuymeyr, offiziell gegründet.

Ein Wunsch geht in Erfüllung

Für beide Seiten gehe damit ein Wunsch in Erfüllung, erklärte Andrea Stützer, Geschäftsführerin der Katholischen Altenpflegeheime Eichsfeld (KAPHE). Die drei Ordensschwestern Sabina, Lydia und Ines wohnen und leben fortan im Hospital und knüpfen damit an die frühere Arbeit der Vinzentinerinnen vor Ort an. Die Pflegeeinrichtung wurde einst von dieser Ordensgemeinschaft betrieben; die Schwestern waren damals hauptamtlich in der Pflege tätig, mussten aber aus Altersgründen ausscheiden. Heute engagieren sie sich noch ehrenamtlich, etwa in der Seelsorge. „Dass diese Tradition nun in neuer Form weiterlebt, ist für uns ein großes Geschenk“, so Stützer.

Finanzielle Unterstützung für den Orden in Afrika

Für den durch das Bistum in Tansania gegründeten Orden mit über 400 Schwestern erfüllt sich der Wunsch einer Konventsgründung im Ausland. Dies bedeute nicht nur kulturellen Austausch, betonte Anne Rademacher, Ordensreferentin im Bistum Erfurt. Die Partnerschaft sei auch finanziell bedeutsam. „Es gibt in Tansania kein ausgebautes Kirchensteuersystem und kein Wohlfahrtssystem wie bei uns“, so Rademacher. Rund ein Drittel der Einnahmen, die das Konvent durch seine Arbeit in Thüringen erzielt, wird künftig in die Arbeit des Ordens in Afrika fließen. „Die haben Schulen, machen Religionsunterricht, helfen den Ärmsten der Armen.“

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Kein Einzelfall

Die Konventsgründung sei zwar außergewöhnlich, aber kein Einzelfall, erklärte Rademacher. So gibt es im St. Johannesstift in Ershausen, einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Behinderung, bereits seit über zehn Jahren einen Konvent des Ordens „Society of Kristudasis“ aus Indien. Die Schwestern sind dort vorwiegend im pastoralen Dienst tätig, wie das Bistum Erfurt mitteilt. Zudem arbeiten Ordensschwestern aus Indien im katholischen Krankenhaus Erfurt.

Gesang auf Swahili statt stilles Gebet

Der Festakt wurde per Livestream auch nach Tansania übertragen. Zuvor hatte Heimatbischof Lazarus Msimbe die neue Heimat der Schwestern besucht. Die Ordensschwestern verfügen bereits über abgeschlossene Berufsausbildungen in der Pflege und der Geburtshilfe, so Stützer. Bislang seien diese aber noch nicht anerkannt. An einem Tag pro Woche lernen Lydia und Ines die deutsche Sprache. Schwester Sabina beherrscht sie bereits weitestgehend perfekt.

Das Pflegeheim und seine Bewohner erleben mit den neuen Ordensschwestern jede Menge „afrikanische Lebensfreude“ und das ein oder andere Lied auf Swahili. Die Partnerschaft soll ausgebaut werden, so Stützer. Es laufen bereits Gespräche über drei weitere Ordensschwestern, die die Pflegeausbildung direkt in Heiligenstadt absolvieren sollen.

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