71 Jahre nach Hinrichtung: König Charles III. begnadigt Ruth Ellis posthum
König begnadigt Ruth Ellis 71 Jahre nach Hinrichtung

König Charles III. begnadigt Ruth Ellis posthum

Fast 71 Jahre nach ihrer Hinrichtung durch den Strang hat König Charles III. (77) Ruth Ellis († 28) posthum begnadigt. Die Entscheidung wurde von Vizepremierminister David Lammy (53, Labour Party) im britischen Unterhaus bekannt gegeben. Lammy erklärte, die „bedingte Begnadigung“ ersetze die Todesstrafe durch eine lebenslange Freiheitsstrafe, „um in diesem außergewöhnlichen Fall ein tiefgreifendes Unrecht anzuerkennen“. Die Begnadigung bedeute nicht, dass Ellis unschuldig am Tod von David Blakely sei, so Lammy.

Hintergrund: Ruth Ellis erschoss ihren gewalttätigen Liebhaber

Ruth Ellis, eine alleinerziehende Mutter und Nachtklub-Managerin, erschoss im April 1955 vor dem Pub „The Magdala“ in London ihren Liebhaber David Blakely († 25). Sie plädierte auf Notwehr und verminderte Schuldfähigkeit, da Blakely sie wiederholt misshandelt und geschlagen habe. Unter anderem hatte er ihr während einer Schwangerschaft die Faust in den Bauch gerammt, was zu einer Fehlgeburt führte. Die Geschworenen im Mordprozess wurden jedoch angewiesen, die „schlechte Behandlung“ und deren psychische Folgen nicht zu berücksichtigen. Die Verhandlung dauerte nur gut einen Tag, die Jury entschied in weniger als 30 Minuten: Todesstrafe.

Hinrichtung und juristische Folgen

Am 13. Juli 1955 wurde Ruth Ellis im Holloway-Gefängnis gehängt. Sie war die letzte Frau, die in Großbritannien hingerichtet wurde. Zwei Jahre nach ihrer Hinrichtung verabschiedete das Parlament ein Gesetz, das „verminderte Schuldfähigkeit“ als Verteidigung zuließ. 1970 wurde die Todesstrafe in Großbritannien endgültig abgeschafft. Seit Jahrzehnten kämpfte die Familie von Ruth Ellis um Gerechtigkeit. Zuletzt hatten ihre vier Enkel beantragt, die Verurteilung abzumildern, da die wiederholte sexuelle, emotionale und körperliche Gewalt, die Ellis erlitten hatte, nie berücksichtigt worden sei.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Reaktion der Familie: „Endlich Gerechtigkeit“

Enkelin Laura Enston zeigte sich tief bewegt von der Begnadigung. Sie sagte: „Endlich wurde Gerechtigkeit hergestellt. Diese Begnadigung macht nicht rückgängig, was vor 71 Jahren geschehen ist. Sie gibt die zerstörten Leben nicht zurück – die Kinder, die ihre Mutter verloren haben, die verlorenen Jahre. Aber sie stellt offiziell und endgültig fest, dass Ruth nicht hätte hingerichtet werden dürfen und dass das Justizsystem sie im Stich gelassen hat. Diese Anerkennung bedeutet unserer Familie sehr viel.“ Enston berichtete, dass ihre Mutter und ihr Onkel, beide Kinder von Ruth Ellis, sich nie von der Hinrichtung erholt hätten: „Mein Onkel nahm sich das Leben. Das Trauma meiner Mutter machte es ihr unmöglich, die Elternrolle auszufüllen, die wir gebraucht hätten. Der Schatten von Ruths Hinrichtung hat sich über zwei Generationen gelegt. Wir trugen eine Scham, die niemals die unsere war.“

Bedeutung und kulturelle Rezeption

Der Fall Ruth Ellis wurde mehrfach verfilmt, unter anderem in „Dance with a Stranger“ mit Miranda Richardson und Rupert Everett. Die posthume Begnadigung durch König Charles III. erfolgte auf Antrag der Regierung. Sie gilt als wichtiger Schritt zur Anerkennung eines Justizirrtums im Kontext häuslicher Gewalt und der Todesstrafe.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration