Immer mehr exotische Reptilien in deutschen Gewässern
In deutschen Gewässern leben zunehmend exotische Reptilien. Eine aktuelle Untersuchung hat 14 verschiedene Schildkrötenarten gezählt, von denen sich drei bereits selbstständig fortpflanzen. Die Forscher vermuten, dass die Tiere durch Aussetzungen in die Natur gelangten.
Bekannte invasive Arten und neue Funde
Waschbären, Asiatische Hornissen und Nutrias zählen zu den bekanntesten invasiven Tierarten in Deutschland. Doch auch die Zahl der Reptilienarten hat sich in den vergangenen Jahren erhöht. Ein Forschungsteam zählte 14 gebietsfremde Schildkrötenarten, die mittlerweile in der Natur zu finden sind. Die einzige ursprünglich heimische Art ist die Europäische Sumpfschildkröte Emys orbicularis.
Mit Abstand am häufigsten tritt in Deutschland die Nordamerikanische Buchstaben-Schmuckschildkröte Trachemys scripta auf. Diese stammt ursprünglich aus der Mississippi-Region der USA und ist inzwischen weltweit verbreitet, mit Ausnahme der Antarktis. Seit 2016 steht sie auf der EU-Liste der unerwünschten Spezies. Co-Autorin Melita Vamberger von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden erklärte: „Auch in Deutschland hat sich die eingeschleppte Schildkröte mit einer Panzerlänge von etwa 13 bis 25 Zentimetern etabliert und kommt in zahlreichen Gewässern vor.“
Ursache: Ausgesetzte Haustiere
Die Studie zeigt, dass die Artenvielfalt und Anzahl der Schildkröten in Städten und stadtnahen Gebieten besonders hoch ist, vor allem im Westen Deutschlands. In Ostdeutschland gibt es dagegen nur einen größeren Verbreitungsschwerpunkt im Raum Berlin sowie einige Nachweise bei Leipzig. „Das Muster bestätigt einen engen Zusammenhang zwischen der Verbreitung der Tiere und menschlicher Präsenz“, erklärt Studentin und Erstautorin Hedi Schloddarick. Insbesondere das gezielte Aussetzen könnte eine entscheidende Rolle spielen. „Die weite Verbreitung mancher Arten wie Trachemys scripta, Pseudemys concinna und Graptemys pseudogeographica lässt sich vermutlich durch ihre große Beliebtheit als Haustiere erklären“, so Schloddarick. Diese gelten als vergleichsweise pflegeleicht, sehen attraktiv aus und waren lange Zeit günstig erhältlich.
Datenbasis und Ausblick
Schloddarick untersuchte gemeinsam mit weiteren Forschern die heutige Vielfalt und Verbreitung nicht-heimischer Süßwasserschildkröten in Deutschland. Grundlage war ein Datensatz mit 1770 Schildkröten-Nachweisen aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen und Citizen-Science-Projekten. Von den 14 gebietsfremden Wasserschildkrötenarten haben sich drei dauerhaft in freier Natur etabliert und pflanzen sich selbstständig fort. Offiziell als invasiv gilt bislang jedoch nur die Schmuckschildkröte Trachemys scripta. Zoologin Vamberger warnt: „Durch den Klimawandel könnten sich künftig mehr Arten erfolgreich vermehren, eventuell ausbreiten und stärkere Auswirkungen auf heimische Ökosysteme verursachen.“



