In Paris stehen nach Angaben des nationalen Statistikamtes Insee 274.000 Wohnungen leer. Das entspricht einem Fünftel des gesamten Wohnungsbestandes. Diese alarmierende Zahl zeigt die dramatische Wohnungsnot in der französischen Hauptstadt. Die Gründe für den Leerstand sind vielfältig: Erbstreitigkeiten, Renovierungsbedarf, Spekulation oder Zweitwohnungen. Hinzu kommt ein umstrittenes Vermietungsverbot für energetisch schlecht sanierte Wohnungen, das die Situation weiter verschärft.
Vermietungsverbot treibt Immobilienpreise in die Höhe
Seit dem 1. Januar 2025 dürfen Wohnungen und Büros in Frankreich nicht mehr vermietet werden, wenn sie die schlechteste Energieklasse G aufweisen. Ab 2028 soll auch die Stufe F unter das Verbot fallen, ab 2034 die Stufe E. Dieses Gesetz, das eigentlich dem Klimaschutz dienen soll, führt in Paris zu einem noch knapperen Wohnungsangebot. Die Immobilienpreise steigen weiter: Der Quadratmeterpreis liegt bereits bei durchschnittlich 10.000 Euro. Für die französische Mittelklasse wird es zunehmend schwieriger, in der Hauptstadt eine bezahlbare Wohnung zu finden. Bei der Vermittlungsplattform PAP gibt es pro Inserat durchschnittlich 743 Anfragen, aber nur eine erhält eine Zusage.
Regierung will Vermietungsverbot aufweichen
Die französische Regierung hat auf die Krise reagiert und Ende April angekündigt, das Vermietungsverbot für unsanierte Wohnungen zu lockern. Unter bestimmten Voraussetzungen soll Wohnraum wieder vermietbar werden. Eigentümer müssen sich verpflichten, die Wärmedämmung innerhalb von drei Jahren zu verbessern; bei Stockwerkeigentum verlängert sich die Frist auf fünf Jahre. Dies könnte bis zu 700.000 Wohnungen wieder auf den Markt bringen. Die Nationalversammlung soll noch im Frühsommer darüber abstimmen. Die Debatte dürfte hitzig werden, da die Grünen gegen die Lockerung protestieren, während die Immobilienbranche die Maßnahmen als halbherzig kritisiert.
Strafsteuer gegen Leerstand geplant
Die Pariser Stadtregierung unter Bürgermeister Emmanuel Grégoire plant einen radikaleren Ansatz: eine Strafsteuer auf leerstehende Wohnungen. Im ersten Jahr sollen 2000 Euro fällig werden, im zweiten Jahr 4000 Euro. Wohnreferent Jacques Baudrier betont, dass es nicht um Einnahmen geht, sondern um Klimaschutz: „Wir wollen damit so wenig Geld wie möglich einnehmen. Allein die Androhung einer Buße sollte genügen, um Mieter zurückzubringen.“ Kritiker befürchten jedoch, dass die Steuer vor allem finanzschwächere Eigentümer trifft, die aus Angst vor strengen Mieterschutzregeln ihre Wohnungen lieber leer stehen lassen. In Diskussionsforen wird Grégoire vorgeworfen, dass seine Politik dazu führt, dass in Paris nur noch Reiche und Sozialwohnungsinhaber leben können, während die Mittelschicht die Stadt verlässt. Paris verliert jährlich 20.000 Einwohner.



