Deutschland hat in den vergangenen 25 Jahren so viel Wasser verloren, wie mehrere der größten Seen des Landes zusammen fassen können. Vielerorts sinken die Grundwasserstände, Flüsse führen immer weniger Wasser und erste Städte verhängen bereits Verbote. Der Bund reagiert jetzt mit einem neuen Frühwarnsystem für Niedrigwasser.
Geht Deutschland das Wasser aus?
Nein – zumindest noch nicht. Deutschland zählt weiterhin zu den wasserreichen Ländern Europas. Einen flächendeckenden Wassermangel gibt es laut Umweltbundesamt derzeit nicht. Allerdings wird Wasser regional immer knapper. Besonders dort, wo über längere Zeit wenig Regen fällt und gleichzeitig viel Grundwasser entnommen wird, geraten die Reserven zunehmend unter Druck.
Warum wird das Wasser trotzdem knapp?
Das Problem ist weniger die Regenmenge, sondern wann und wie er fällt. Durch den Klimawandel fallen Niederschläge häufiger als Starkregen. Das Wasser fließt oberflächlich ab, statt langsam im Boden zu versickern und die Grundwasser-Speicher wieder aufzufüllen. Gleichzeitig sorgen steigende Temperaturen dafür, dass mehr Wasser verdunstet. Besonders alarmierend: Nach Angaben des Bundesumweltministeriums haben Deutschlands Böden und Grundwasser-Speicher seit der Jahrtausendwende rund 60 Milliarden Kubikmeter Wasser verloren. Grundlage sind Langzeitauswertungen des GFZ Helmholtz-Zentrums.
Wo ist die Lage besonders kritisch?
Vor allem einzelne Regionen kämpfen bereits mit Wasserknappheit. Laut einer Untersuchung des BUND entnehmen inzwischen 201 von 401 Landkreisen und kreisfreien Städten mehr Grundwasser, als durch Niederschläge neu gebildet werden kann. Betroffen ist nicht nur Ostdeutschland, sondern auch Ballungsräume entlang des Rheins und Teile Niedersachsens.
Müssen wir bald überall Wasser sparen?
Immer mehr Kommunen reagieren bereits mit Einschränkungen – etwa beim Bewässern von Gärten oder dem Befüllen privater Pools. Ob weitere Verbote folgen, hängt von der Entwicklung vor Ort ab. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass solche Maßnahmen künftig häufiger nötig werden könnten.
Ist unser Trinkwasser in Gefahr?
Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist die Trinkwasserversorgung derzeit weiterhin gesichert. Dennoch warnen Experten davor, die sinkenden Grundwasservorräte zu unterschätzen. Denn Grundwasser erneuert sich oft nur sehr langsam – teilweise über Jahre oder Jahrzehnte.
Welche Folgen hat die Trockenheit?
Nicht nur die Natur leidet. Niedrige Pegelstände erschweren die Schifffahrt auf wichtigen Flüssen wie dem Rhein, was Lieferketten und Energiepreise beeinflussen kann. Auch Landwirtschaft, Industrie, Kraftwerke und Rechenzentren sind auf ausreichend Wasser angewiesen. Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Mauderer warnte deshalb kürzlich in einem „Zeit“-Interview, Wasser werde zunehmend zu einem wirtschaftlichen Risikofaktor.
Verbrauchen wir Deutschen eigentlich zu viel Wasser?
Überraschenderweise nein. Der tägliche Wasserverbrauch im Haushalt ist seit Jahrzehnten deutlich gesunken – von 144 Litern pro Person im Jahr 1991 auf 125 Liter im Jahr 2022. Das größere Problem ist deshalb laut Umweltbundesamt nicht der private Verbrauch, sondern dass sich die natürlichen Wasserspeicher vielerorts nicht mehr schnell genug erholen.
Fazit
Deutschland hat noch kein Trinkwasser-, aber ein zunehmendes Grundwasser-Problem. Die aktuelle Trockenheit zeigt, dass Wasserknappheit längst kein Thema mehr ist, das nur andere Länder betrifft. Experten erwarten, dass regionale Sparmaßnahmen und Nutzungsverbote künftig häufiger werden könnten, wenn sich der Klimawandel weiter verschärft.



