Greenpeace greift Infantino an: Privatjet-Flüge zur WM kritisiert
Kritik ist Gianni Infantino (56) gewohnt. Das meiste davon scheint an dem Fifa-Präsidenten abzuperlen wie das Wasser an einer Ente. Ob ihn die jüngste Attacke von Greenpeace trifft, ihn sogar zum Umdenken bewegt? Die Umweltorganisation hat sich kritisch dazu geäußert, dass der Boss des Fußball-Weltverbandes bei der WM täglich zwei Spiele besucht.
Im Gespräch mit „The Athletic“ sagte John Hocevar von Greenpeace USA: „Dass Funktionäre täglich in extrem klimaschädlichen Privatjets fliegen, vermittelt nicht gerade den Eindruck, dass die Fifa die Ursachen des Klimawandels oder ihre eigene Verantwortung, Teil der Lösung zu sein, erkannt hat.“
Infantino nutzt Privatjet von Sponsor Qatar Airways
Sowohl das Portal „The Athletic“ als auch die englische Tageszeitung „The Guardian“ berichten unter Bezug auf nicht näher genannte Fifa-Quellen, dass Infantino zwei Begegnungen pro Tag sehen möchte und dafür auch einen von Sponsor Qatar Airways zur Verfügung gestellten Privatjet nutzt. Bei der WM vor vier Jahren in Katar war Infantino noch bei jeder der 64 Partien anwesend. Allerdings betrugen die Distanzen zwischen den Stadien damals maximal rund 75 Kilometer. Beim aktuellen Turnier in den USA, Mexiko und Kanada werden dagegen insgesamt 104 Spiele ausgetragen, sind Distanzen von bis zu 4500 Kilometern zurückzulegen.
Die Fifa hat sich gegenüber „The Athletic“ zu der Thematik geäußert: „Wie wir stets betont haben, hat die Fifa Regeln aufgestellt, die den Rahmen für Flüge und Reisen aller Fifa-Funktionäre festlegen.“ Demnach reise der Fifa-Präsident „regelmäßig gemeinsam mit den zuständigen Funktionären zu geschäftlichen und turnierbezogenen Anlässen und ist bestrebt, die Fifa-Mitgliedsverbände zu besuchen, wann immer es ihm möglich ist.“
Laut Fifa erfolgen die Reisen aber nicht nur mit Charterflügen in Privatjets, sondern auch mit regulären Linienflügen. „Je nachdem, welche Option unter den jeweiligen Umständen effizienter und kostengünstiger ist. Die Fifa kommt für die Reisekosten auf“, hieß es.
„Veranstaltung mit der höchsten Umweltbelastung jemals“
Die Belastungen für die Umwelt sind – wie bei Sport-Großveranstaltungen üblich – enorm. Das New Weather Institute hat die WM aufgrund der enormen Entfernungen bereits als „die Veranstaltung mit der höchsten Umweltbelastung jemals“ bezeichnet und schätzt, dass sie rund 9 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalent verursachen wird. Der Flugverkehr sei für etwa 7,7 Millionen Tonnen dieses geschätzten CO₂-Ausstoßes verantwortlich – mehr als das Vierfache des Durchschnitts der Weltmeisterschaften im Zeitraum von 2010 bis 2022.



