Funke Mediengruppe: Meinung zu Temperaturen um 35 Grad
„Früher war Sommer einfach Sommer“ – trotzdem ist Vorsicht keine Panikmache. Berlin. Temperaturen um 35 Grad – früher Badewetter, heute Risiko? Dieser Vergleich greift zu kurz. Wer das versteht, blickt ganz anders auf Hitze. Ein Kommentar von Anne-Kathrin Neuberg-Vural, Redakteurin im Ressort Leben.
19.06.2026, 12:05 Uhr
Die nächste Hitzephase ist da – und mit ihr eine seltsame deutsche Mischung aus Sommersehnsucht, Warnmüdigkeit und Schwitzerschöpfung. Natürlich ist es schön, wenn nach Regen wieder die Sonne scheint. Sommer soll sich nach Leichtigkeit anfühlen, nach Freibad, Eis und netten Abenden unterm Sternenhimmel. In der Hitzedebatte fehlt einigen genau diese gute Laune. Im Netz kursieren Videos, in denen alte Wetteransagen bei identischen Temperaturen beschwingt klingen, während heute gewarnt wird. Früher Badewetter, heute Gesundheitsgefahr.
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Nur: So einfach ist der Vergleich nicht. Wir sprechen nicht mehr über vereinzelte heiße Nachmittage, sondern über mehrere Hitzephasen binnen kurzer Zeit über mehrere Tage. Und genau da liegt der Unterschied. Die Belastung durch Hitze schaukelt sich auf – für Körper, Psyche, in Wohnungen und Städten. Der Körper kann sich nicht mehr erholen, und besonders für ältere Menschen, Kinder, Schwangere und chronisch Kranke wird das schnell gefährlich.
Hitze ernst nehmen: Gute Laune mit Sonnenschutz und Vorsorge
Dazu kommt: Wir wissen heute schlicht mehr als früher. Mehr über UV-Strahlung, Hautkrebs, Dehydrierung, Herz-Kreislauf-Risiken und darüber, dass Hitze nicht alle gleich trifft. Wer in einer aufgeheizten Dachwohnung lebt oder draußen arbeiten muss, erlebt Sommer anders als jemand mit schattigem Garten oder gar einem Pool.
Anne-Kathrin Neuberg-Vural, Redakteurin Ratgeber & Wissen im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion. © FUNKE Foto Services | Reto Klar
Eine künstliche Gegenüberstellung von Sommerfreude und Hitzewarnung ist unangebracht. Beides gehört zusammen: die Lust auf Sonne – und die Pflicht zur Vorsorge. Es geht darum, realistisch zu bleiben. Sonnenschutz, Wasser, geschlossene Rollos, raus aus der Mittagshitze, ein Anruf bei den Großeltern – das ist keine Panik, sondern Vernunft.



