Die Klimakrise ist für Kinder und Jugendliche weltweit keine abstrakte Bedrohung mehr – sie erleben die Folgen hautnah. Vier junge Menschen aus Kiribati, Los Angeles, dem Ahrtal und Kapstadt berichten von Überschwemmungen, Waldbränden, Dürren und Smog. Ihre Geschichten zeigen, wie unterschiedlich die Auswirkungen der Erderhitzung sind und wie sie damit umgehen.
Lily, 17, aus Suva auf Viti Levu (Fidschi): „Meine Heimat versinkt im Meer“
Lily stammt ursprünglich aus Kiribati, einem Inselstaat im Pazifik, der durch den steigenden Meeresspiegel bedroht ist. „Der höchste Punkt Tarawas, der Hauptinsel Kiribatis, liegt nur drei Meter über dem Meeresspiegel“, sagt sie. Überschwemmungen und Zyklone treffen die Inseln mit vernichtender Kraft. „Zyklone gab es schon immer, aber nicht in dieser Heftigkeit und Häufigkeit.“ Ihre Familie hat Kiribati bereits verlassen und lebt nun auf Viti Levu, der Hauptinsel Fidschis, die höher liegt. Ihre Tante, die noch in Kiribati wohnt, erlebte kürzlich eine Überflutung, bei der Meerwasser in die Klassenräume lief. Lily ist wütend über die Untätigkeit der Politik und darüber, dass viele Menschen die Klimakrise leugnen – selbst in den Pazifikstaaten. „Sie wollen nicht wahrhaben, dass ihre Heimat verschwindet, weil sie keine Alternative sehen, anderswo leben zu können.“
Zubayr, 11, aus Los Angeles (USA): „Ich hatte Angst, unser Haus könnte brennen“
Anfang 2025 wüteten in Los Angeles riesige Waldbrände. „Überall in der Luft war Ruß. Wir trugen Masken, wenn wir das Haus verließen. Der Himmel war orange – aber nicht wie bei einem Sonnenuntergang, sondern beängstigend“, erinnert sich Zubayr. Seine Familie musste nicht evakuiert werden, aber viele andere in Kalifornien verloren ihr Zuhause. Erst nach drei Wochen konnten die Brände gelöscht werden. Forschende warnen, dass solche Waldbrände in der Region immer häufiger werden. Zubayr ist Teil der Organisation YCSLA, in der sich Kinder und Jugendliche für den Klimaschutz einsetzen. „Wenn die Klimakrise mir Angst macht, spreche ich mit den anderen darüber. Dann geht’s mir meistens besser.“
Lionel, 14, aus Altenahr (Deutschland): „Die Flut hat die Menschen verändert“
Lionel erlebte die Flutkatastrophe im Ahrtal vor fünf Jahren, als er neun war. „Abends war ich daheim mit meiner Mutter und meinen Schwestern, Papa hatte unten im Dorf zu tun. Er schickte Mama Fotos vom steigenden Wasser und der gefluteten Hauptstraße.“ Das Haus der Familie lag etwas erhöht, aber das Grundwasser stieg in den Keller. Sie verbrachten die Nacht auf dem Dachboden. „Die Geräusche waren gruselig, man konnte die Türen im Wasser knarzen hören.“ Am nächsten Tag war das ganze Haus voller Schlamm, die Möbel zerstört. Viele Menschen verloren alles. Heute weiß Lionel, dass solche Extremwetter mit der Klimakrise zusammenhängen. „Nach der Flutkatastrophe wurde die Ahr ein wenig verbreitert, und an manchen Stellen darf man nicht mehr bauen. Die Flut hat die Menschen verändert. Sie sind nicht mehr so unbeschwert wie früher, viel zurückhaltender.“
Yolo, 14, aus Kapstadt (Südafrika): „Im Unterricht ist die Klimakrise selten Thema“
Yolo lebt in einer Township am Rand von Kapstadt. „Viele der Häuser und Hütten bestehen aus Wellblech, deshalb heizen sie sich stark auf. Außerdem gibt es hier wenig Bäume und kaum Schatten.“ Die Townships sind besonders von der Klimakrise betroffen, aber die meisten Menschen haben andere Sorgen wie Arbeitslosigkeit und Ernährungsunsicherheit. Als Yolo klein war, herrschte in Kapstadt eine schwere Dürre mit Wasserrationierung. Die Wasserknappheit führte zu schlechten Ernten und steigenden Lebensmittelpreisen. Inzwischen hat sich die Wasserkrise entspannt, aber die Luftverschmutzung bleibt. Yolo engagiert sich bei der Klimaschutzorganisation „Black Girls Rising“. „Wir treffen uns einmal im Monat und sprechen über Klimaschutz. Außerdem organisieren wir regelmäßig Müllsammelaktionen in unseren Vierteln oder halten Vorträge an Schulen.“ Viele Kinder in Südafrika wüssten kaum über die Klimakrise Bescheid, da das Thema im Unterricht selten vorkomme. „Deshalb finde ich es wichtig, vielen davon zu erzählen. So können wir gemeinsam laut werden.“



