Eigentlich wollte Volkswagen-Konzernchef Oliver Blume Tempo machen. Sein großer Zukunftsplan für den Autobauer sollte als Gesamtpaket durch den Aufsichtsrat gebracht werden. Doch daraus wird vorerst nichts. Stattdessen muss der Vorstand nun um jedes einzelne Paket kämpfen: Investitionen, Personalthemen und die Neuordnung der Konzernstruktur – Letzteres vermutlich erst im nächsten Jahr. Aus dem großen Befreiungsschlag wird eine zähe Serie. Das zementiert den Ruf von Volkswagen, im entscheidenden Moment nicht beschlussfähig zu sein.
Einzelpakete statt Gesamtlösung
Ursprünglich hatte der Konzern bereits 2024 vereinbart, die Steuerung des Unternehmens bis März 2025 zu überarbeiten. Inzwischen ist Juli 2026, und die grundlegende Neuordnung steht noch aus. Oliver Blume scheiterte bei einer ersten Abstimmung im Aufsichtsrat mit seinem Vorhaben, alle Maßnahmen in einem Rutsch zu beschließen. Das berichtet die WirtschaftsWoche unter Berufung auf Konzernkreise.
Die Folgen für Investoren und Mitarbeiter
Für Investoren, Mitarbeiter und Führungskräfte bedeutet die Verzögerung vor allem eines: Unklarheit. Statt Klarheit über die strategische Ausrichtung herrscht nun Unsicherheit. Die Aktie von Volkswagen reagierte mit leichten Verlusten, Analysten zeigten sich enttäuscht. Ein Sprecher des Unternehmens wollte sich zu den internen Abstimmungen nicht äußern, betonte aber, dass der Vorstand weiterhin an den Zielen festhalte.
Ein bekanntes Muster bei VW
Beobachter sehen in dem Vorgehen ein vertrautes Muster. Schon mehrfach habe Volkswagen entscheidende Reformen verschleppt oder in Einzelschritten zerlegt. „Es läuft ganz so, wie man es von Volkswagen kennt“, kommentierte ein Analyst der Deutschen Bank. „Große Ankündigungen, dann zähe Verhandlungen und am Ende ein Stückwerk.“ Das sei Gift für das Vertrauen der Kapitalmärkte.
Was nun auf dem Spiel steht
Der Druck auf Blume wächst. Der Konzernchef hatte sich mit einem ambitionierten Plan vorgestellt, der unter anderem milliardenschwere Investitionen in Elektromobilität und Digitalisierung vorsieht. Hinzu kommen ein Personalabbau und die straffere Führung der Markengruppen. Ohne ein klares Signal aus dem Aufsichtsrat drohen diese Projekte ins Stocken zu geraten. Ein VW-Insider sagte: „Es geht um alles – die Zukunftsfähigkeit des Konzerns steht auf dem Spiel.“
Ausblick: Monate der Unsicherheit
In den kommenden Monaten dürften die Verhandlungen im Aufsichtsrat andauern. Eine Entscheidung über die Konzernstruktur wird frühestens im ersten Halbjahr 2027 erwartet. Bis dahin müssen sich Investoren und Mitarbeiter auf weitere Einzelpakete einstellen. Der Paketbote klingelt eben nicht nur einmal – bei Volkswagen jetzt gleich mehrfach.



