Martin Kriegel, Leiter des Fachgebiets für Energie, Komfort und Gesundheit in Gebäuden an der TU Berlin, äußert sich angesichts der jüngsten Hitzewelle in Deutschland deutlich: „Es ist eine Katastrophe, dass wir immer noch Gebäude bauen, die nicht hitzeresilient sind.“ Im Interview mit dem Tagesspiegel betont er die Dringlichkeit eines Umdenkens beim Umgang mit sommerlicher Hitze in Innenräumen.
Klimaanlagen als Teil der Lösung?
Auf die Frage, ob nun alle Haushalte Klimaanlagen anschaffen sollten, antwortet Kriegel differenziert: „Es gibt nicht die eine Lösung. Es hängt immer von den Nutzenden ab und den Bedingungen in den Räumlichkeiten.“ Mobile Klimageräte, wie sie im Baumarkt erhältlich sind, könnten einzelne Räume gut kühlen, sofern die Anleitungen genau befolgt würden. Allerdings warnt der Experte vor zu hohen Erwartungen an solche Geräte.
Gesellschaftliche Hürden beim Kühlen
Kriegel kritisiert die gesellschaftliche Einstellung zum Kühlen: „Wir akzeptieren keine Wohnungen unter 20 Grad, aber Kühlung halten wir für Luxus.“ Diese Haltung sei angesichts des Klimawandels nicht mehr zeitgemäß. Er fordert, dass Kühlung ebenso als Grundbedürfnis anerkannt wird wie Heizung. Besonders problematisch sei, dass viele Neubauten immer noch ohne ausreichenden Hitzeschutz geplant würden.
Hitzeperioden werden häufiger
Erst am vergangenen Wochenende rollte eine Hitzewelle über Deutschland hinweg, und angesichts der Klimaerwärmung ist mit weiteren extremen Hitzeperioden zu rechnen. Kriegel sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Gebäudeplanung: „Es ist eine Katastrophe, dass wir immer noch Gebäude bauen, die nicht hitzeresilient sind.“ Er plädiert für eine Kombination aus baulichen Maßnahmen wie Verschattung, Dämmung und intelligenten Lüftungskonzepten sowie dem gezielten Einsatz von Klimaanlagen dort, wo sie unvermeidbar sind.



