Mutter und Tochter in Italien mit Rizin vergiftet: Deutsche Experten helfen bei Mordermittlung
Mutter und Tochter in Italien vergiftet: Deutsche helfen

Sechs Monate nach dem Tod einer 50-jährigen Mutter und ihrer 15-jährigen Tochter in der süditalienischen Provinz Campobasso ermitteln die Behörden wegen Mordes mit dem hochgiftigen Pflanzengift Rizin. Die italienischen Ermittler haben nun das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin um Unterstützung gebeten, um das Rätsel um die Vergiftung zu lösen.

Was geschah: Von Lebensmittelvergiftung zu Mordverdacht

Ursprünglich waren die Ärzte im Krankenhaus Cardarelli in Campobasso von einer Fischvergiftung ausgegangen. Antonella D. und ihre Tochter Sara starben kurz nach den Weihnachtsfeiertagen. Deshalb wurde zunächst gegen fünf Ärzte des Krankenhauses ermittelt. Im April 2026 kam jedoch die überraschende Wende: Die Staatsanwaltschaft von Larino teilte mit, dass die beiden Frauen nicht an einer Lebensmittelvergiftung gestorben seien, sondern vorsätzlich mit Rizin getötet wurden.

Rizin: Eines der gefährlichsten Pflanzengifte

Besonders brisant: Das hochgiftige Toxin wurde nach Überzeugung der Ermittler offenbar nicht auf dem Schwarzmarkt beschafft, sondern manuell aus den Samen der Rizinus-Pflanze gewonnen. Rizin zählt zu den gefährlichsten bekannten Pflanzengiften; schon kleinste Mengen können tödlich sein. „Ab diesem Punkt sterben Menschen innerhalb von 72 Stunden“, erklärten Experten.

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Ermittlungen im familiären Umfeld

Die Ermittlungen konzentrieren sich inzwischen auf das familiäre Umfeld der Opfer. Sowohl der Ehemann von Antonella D. als auch die 19-jährige Tochter der Familie wurden ausführlich befragt. Bislang gibt es jedoch keine offizielle Mitteilung über Tatverdächtige oder Festnahmen. Auch ein Motiv für einen möglichen Doppelmord tauchte bisher nicht auf.

Internationale Zusammenarbeit mit dem Robert-Koch-Institut

Um das Rätsel zu lösen, haben die italienischen Behörden internationale Unterstützung angefordert. Am Montag trafen sich im Giftinformationszentrum des Maugeri-Instituts in Pavia Ermittler aus der Provinz Campobasso und renommierte Experten des Berliner Robert-Koch-Instituts, um die nächsten Schritte festzulegen. Die im Mordfall ermittelnde Staatsanwaltschaft von Larino hat auch den RKI-Direktor Christian Herzog kontaktiert.

„Die Zusammenarbeit zwischen den italienischen und deutschen Behörden verläuft sehr gut“, erklärte die leitende Staatsanwältin Elvira Antonelli nach dem Treffen. Die deutschen Wissenschaftler gelten als führend bei der Analyse von Rizin. Sie verfügen über Verfahren, mit denen sich selbst Monate nach einer möglichen Vergiftung noch Spuren des Giftes nachweisen lassen.

Untersuchung von Lebensmitteln und Gegenständen

Die Ermittler wollen rund 70 Lebensmittel untersuchen, die aus der Wohnung der beiden Opfer in Pietracatella in der Provinz Campobasso sichergestellt wurden. Darüber hinaus sollen Möbel, Kleidung und zahlreiche weitere Gegenstände auf mögliche Rückstände des Giftes überprüft werden. In den kommenden Tagen ist eine erneute umfassende Spurensicherung im Wohnhaus der Familie vorgesehen.

Auch die beiden überlebenden Familienmitglieder sollen erneut medizinisch untersucht werden. Dabei wollen die Experten feststellen, ob sie Antikörper gegen Rizin entwickelt haben. Das könnte darauf hindeuten, dass auch sie mit dem Gift in Berührung gekommen sind. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird sich außerdem das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) an den Ermittlungen beteiligen.

Ausblick: Hoffnung auf deutsche Expertise

Die Staatsanwaltschaft setzt große Hoffnungen auf die deutsche Expertise. Die in Berlin entwickelten Nachweisverfahren gelten als besonders präzise. Die Experten sollen nicht nur mögliche Spuren des Giftes identifizieren, sondern möglicherweise auch klären, wie das Rizin hergestellt wurde und auf welchem Weg es zu den beiden Frauen gelangte. Noch immer fehlt die entscheidende Antwort auf die Fragen, die den Fall seit Monaten prägen: Wie und warum wurden Antonella D. und ihre Tochter Sara mit Rizin vergiftet?

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