Klimaanlagen heizen Städte auf – Berlin besonders betroffen
Klimaanlagen heizen Städte auf – Berlin besonders betroffen

In den Baumärkten von Berlin herrscht Ausnahmezustand. Die heißeste Woche aller Zeiten hat die Regale mit Klimaanlagen leergefegt. Doch die Geräte könnten das Problem sogar verschärfen: Sie kühlen die Innenräume, heizen aber die Außenluft weiter auf. Genau das ist kein Zufall, sondern das physikalische Prinzip jeder Klimatisierung.

Das Wirkprinzip: Kälte innen, Wärme nach draußen

Klimaanlagen funktionieren wie Wärmepumpen: Sie entziehen der Innenluft Wärme und geben sie nach draußen ab. Was innen kühl wirkt, erwärmt die direkte Umgebung. Bei großen Städten summieren sich die einzelnen Geräte zu einem messbaren Effekt. Die Abwärme von tausenden Anlagen erhöht die Bodentemperatur und erwärmt die Luft über den Dächern und Straßen.

Besonders kritisch wird es, wenn viele Menschen gleichzeitig Klimaanlagen einschalten – etwa während einer Hitzewelle. Die Nachfrage nach Kühlung steigt, die Geräte laufen länger und intensiver, und die Abwärme wächst entsprechend. Stadtbewohner erleben das als zusätzliche Belastung, denn die Temperatur in den Gassen und auf den Plätzen steigt.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Forscher haben den Effekt berechnet

Wie groß dieser städtische Aufheizeffekt tatsächlich ist, haben Forscher nun genauer untersucht. Wie der Tagesspiegel in einer Analyse von Martin Ballaschk berichtet, zeigen die Berechnungen einen klaren Zusammenhang: Mehr Hitze führt zu mehr Klimatisierung, die wiederum durch ihre Abwärme zusätzliche Hitze erzeugt.

Die Wissenschaftler sprechen von einem Kreislauf, der Städte in Hitzephasen weiter aufheizt. Besonders betroffen sind dicht bebaute Gebiete mit wenigen Grünflächen, in denen sich die Luft ohnehin stärker staut. In solchen Vierteln wirkt die Kombination aus versiegelten Böden und Klimaanlagenabwärme wie ein zusätzlicher Heizstrahler.

Berlin sticht hervor

Laut den Forschern ist Berlin in diesem Zusammenhang ein besonderer Fall. Die Hauptstadt zeichnet sich durch strukturelle Besonderheiten aus, die den Effekt der Klimaanlagen verstärken. Dazu zählen die Ausdehnung der Stadt, die Bebauungsdichte und das lokale Klima. Auch die vielen alten Gebäude mit schlechter Wärmedämmung tragen dazu bei, dass die Bewohner häufiger auf technische Kühlung zurückgreifen.

Hinzu kommt, dass Berlin während der jüngsten Hitzewoche einen neuen Höchstwert verzeichnete. Die leergefegten Baumärkte sind ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Menschen in der Stadt nach Abkühlung suchen. Doch genau diese Verzweiflung befeuert den Teufelskreis aus Hitze und noch mehr Hitze.

Ein Teufelskreis mit Folgen

Die Erkenntnis ist ernüchternd: Eine Klimaanlage mag im Einzelfall für Erleichterung sorgen – für das Stadtklima ist sie eine Belastung. Je mehr Geräte installiert werden, desto wärmer wird die Umgebung, was wiederum den Bedarf an Kühlung erhöht. Das Ergebnis ist ein immer schneller drehender Kreislauf, der vor allem nachts problematisch ist, wenn sich die Städte eigentlich abkühlen sollten.

Gerade in den Nächten nach heißen Tagen laufen Klimaanlagen oft besonders stark, weil die Wärme aus den Wänden und Dächern nachwirkt. Die dabei erzeugte Abwärme verhindert, dass die Temperaturen so weit sinken, wie sie es ohne die Geräte täten. Die ohnehin belastenden Tropennächte werden durch den Betrieb der Anlagen weiter verlängert.

Klimaanlagen sind keine Lösung

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die flächendeckende Nutzung von Klimaanlagen nicht als Antwort auf den Klimawandel taugt. Sie verschiebt das Problem lediglich von innen nach außen. Wer auf Dauer kühle Räume will, sollte auf bessere Wärmedämmung, außen liegenden Sonnenschutz und nachts geöffnete Fenster setzen. Auch begrünte Dächer und Fassaden können helfen, die Aufheizung der Städte zu reduzieren.

Zudem verbrauchen Klimaanlagen viel Strom, der häufig aus fossilen Quellen stammt. Das belastet die Umwelt zusätzlich und trägt indirekt zur weiteren Erwärmung bei. Berlin könnte hier eine Vorbildrolle übernehmen, statt sich auf die vermeintlich einfache Technik der Einzelgeräte zu verlassen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Die aktuelle Hitzewelle hat gezeigt, wie schnell die Infrastruktur an ihre Grenzen gerät. Wer jetzt auf Klimaanlagen setzt, verschärft das Problem aus Sicht der Forscher langfristig. In jedem Fall ist die Entwicklung ein Warnsignal. Die Stadt muss Wege finden, mit der Hitze umzugehen, ohne die Umwelt weiter aufzuheizen. Der erste Schritt wäre, den Verkauf von Klimaanlagen nicht als Lösung zu betrachten, sondern als Symptom einer verfehlten Stadtplanung.