Klimahistoriker warnt: Dürre 2022 könnte Megadürre von 1540 übertreffen
Klimahistoriker: Dürre 2022 wie 1540?

Die aktuelle Dürre in Europa erinnert immer mehr an die verheerende Megadürre von 1540. Klimahistoriker warnen vor gravierenden Folgen für Landwirtschaft, Wasserstände und Gesundheit. Die Lage sei ernst, aber nicht aussichtslos, betonen Experten.

Was geschah 1540?

Im Jahr 1540 erlebte Mitteleuropa eine der schlimmsten Dürreperioden der letzten 500 Jahre. Elf Monate lang fiel kaum Regen, Flüsse wie der Rhein waren so niedrig, dass man sie zu Fuß durchqueren konnte. Die Ernten verdorrten, Wälder brannten, und Zehntausende Menschen starben an Hunger und Krankheiten. Historische Aufzeichnungen berichten von Prozessionen und Gebeten, die die Menschen damals abhielten, um Regen zu erbitten.

Der Klimahistoriker Dr. Oliver Wetter von der Universität Bern hat die Daten von 1540 mit der aktuellen Situation verglichen. „Die Parallelen sind beunruhigend, aber es gibt auch Unterschiede“, sagt er. Während 1540 eine natürliche Klimaanomalie war, sei die heutige Dürre durch den menschengemachten Klimawandel verstärkt. „Wir haben es mit einer neuen Dimension zu tun.“

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Aktuelle Lage in Deutschland

In Deutschland sind die Böden vielerorts ausgetrocknet, der Grundwasserspiegel sinkt, und die Flüsse führen Rekordtiefstände. Der Rhein ist an einigen Stellen nur noch schiffbar mit reduzierter Ladung, was die Wirtschaft belastet. Die Landwirtschaft leidet unter Ernteausfällen, besonders in Ostdeutschland und am Oberrhein. Bauernverbände fordern Hilfen vom Bund.

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldet, dass die ersten sechs Monate des Jahres 2022 zu den trockensten seit Beginn der Aufzeichnungen gehören. In einigen Regionen fiel weniger als die Hälfte des üblichen Niederschlags. Die Waldbrandgefahr ist vielerorts extrem hoch, und in Sachsen, Brandenburg und Niedersachsen kam es bereits zu Bränden.

Parallelen und Unterschiede

Wetter betont, dass die Dürre von 1540 ein extremes Ereignis war, das durch eine blockierende Wetterlage über Europa verursacht wurde. Heute kommen die globalen Temperaturen hinzu, die die Verdunstung erhöhen. „Die Kombination aus fehlendem Regen und hohen Temperaturen macht die Situation potenziell gefährlicher“, erklärt er.

Dennoch gibt es Hoffnung: Moderne Frühwarnsysteme, Bewässerungstechniken und internationale Zusammenarbeit könnten die schlimmsten Folgen abmildern. „Wir müssen aber dringend handeln, um die Wasservorräte zu schonen und die Landwirtschaft anzupassen“, appelliert der Historiker.

Auswirkungen auf Mensch und Natur

Die anhaltende Trockenheit hat auch gesundheitliche Folgen: Hitzeperioden führen zu Kreislaufproblemen, besonders bei älteren Menschen. In Städten steigt die Belastung durch Feinstaub, da weniger Regen die Luft reinigt. Zudem nehmen Allergien zu, da Pollen länger in der Luft bleiben.

Die Ökosysteme leiden: Flüsse und Seen erwärmen sich, was zu Sauerstoffmangel und Fischsterben führt. In der Elbe und Oder wurden bereits massenhaft tote Fische entdeckt. Wälder sind durch Borkenkäferbefall geschwächt, und viele Bäume sterben ab. Naturschützer fordern mehr Schutzgebiete und eine nachhaltige Wasserbewirtschaftung.

Was bedeutet das für die Zukunft?

Die Klimaforschung geht davon aus, dass Dürren wie die aktuelle in Zukunft häufiger und intensiver auftreten werden. Der Weltklimarat (IPCC) warnt in seinem jüngsten Bericht vor einer Zunahme von Hitzewellen und Trockenperioden in Mitteleuropa. Um die schlimmsten Folgen zu vermeiden, müssten die Treibhausgasemissionen drastisch reduziert werden.

Doch auch Anpassung ist nötig: Städte müssen entsiegelt werden, um Regenwasser zu speichern. Die Landwirtschaft braucht dürreresistente Sorten und effizientere Bewässerung. Und jeder Einzelne kann Wasser sparen – sei es beim Duschen, Gießen oder Autowaschen.

Der Klimahistoriker Wetter zieht eine nüchterne Bilanz: „1540 war eine Katastrophe, aus der wir lernen können. Aber wenn wir nicht handeln, könnte 2022 noch schlimmer werden.“

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