Mette-Marit: Neue Lunge nach nur zwei Wochen auf Warteliste
Mette-Marit: Neue Lunge nach zwei Wochen auf Liste

Mette-Marit erhielt neue Lunge – nur zwei Wochen nach Listung

Oslo. Es ging schnell. Knapp zwei Wochen nachdem öffentlich wurde, dass Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit auf der Warteliste für eine Lungentransplantation steht, meldete das Norwegische Königshaus auch schon: Die 52-Jährige hat eine neue Lunge. Der Eingriff am Osloer Rikshospitalet sei „erfolgreich verlaufen“, hieß es in einer Pressemitteilung aus dem Schloss. Aber wie kommt es, dass die rettende Organspende so schnell über die Bühne gehen konnte?

Norwegens System: Dringlichkeit entscheidet

Auf die Transplantationsliste kommt in Norwegen nur, wer ohne neues Organ voraussichtlich nur noch ein bis zwei Jahre zu leben hätte. Gleichzeitig muss der Mensch gesund genug sein, um die belastende Operation zu überstehen. Das war bei Mette-Marit der Fall. Sie lebt seit 2018 mit der Diagnose Lungenfibrose. Bei der Krankheit vernarbt das Lungengewebe, die Lunge wird steifer, der Sauerstoffaustausch schlechter. Atmen wird zur Anstrengung.

Der Zustand der Kronprinzessin hatte sich laut ihrem Lungenarzt Are Holm in den vergangenen drei Monaten „erheblich“ verschlechtert. So sehr, dass sie auf der Warteliste laut den behandelnden Ärzten ganz oben stand. Denn in Norwegen gilt das Prinzip: Passt eine Spenderlunge auf mehrere Menschen auf der Liste, bekommt sie derjenige, der sie am dringendsten benötigt.

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Spenderboom nach Bekanntwerden ihrer Listung

Was Mette-Marits Fall besonders macht, ist die Welle, die er ausgelöst hat. Nach Bekanntwerden ihrer Listung meldeten sich rund 13.000 Norwegerinnen und Norweger als potenzielle Spender, allein im Juni. Das sind bereits 180 Mal so viele wie im Vormonat. Lungen werden ausschließlich am Rikshospitalet in Oslo verpflanzt, etwa 30 Mal im Jahr. Wer von wem ein Organ bekommt, bleibt nach norwegischem Recht anonym. Spender, Angehörige und Empfänger erfahren die Identität der jeweils anderen nicht.

Die erweiterte Widerspruchslösung in Norwegen

Eine weitere Besonderheit: In Norwegen gilt die sogenannte erweiterte Widerspruchslösung. Das heißt, wer zu Lebzeiten nicht ausdrücklich widerspricht, gilt grundsätzlich als Organspender. Anders als etwa in Spanien oder Österreich werden aber die Angehörigen einbezogen – sie können eine Entnahme ablehnen. Genau deshalb ist eine Registrierung trotzdem sinnvoll: Wer seinen Willen festhält, nimmt der Familie im Ernstfall Druck.

Dass Mette-Marit so schnell eine Lunge bekam, ist keine direkte Folge der Widerspruchslösung – dafür sorgte die Priorisierung nach Dringlichkeit. Die Widerspruchslösung sorgt allerdings für einen größeren Spenderpool. Und je mehr Menschen als Spender infrage kommen, desto wahrscheinlicher findet sich für jeden auf der Warteliste ein passendes Organ.

Debatte um Widerspruchslösung auch in Deutschland

Genau an diesem Punkt steht Deutschland seit Jahren. Hierzulande gilt die sogenannte Entscheidungslösung: Organe dürfen nur entnommen werden, wenn die verstorbene Person ausdrücklich zugestimmt hat, per Organspende-Ausweis oder seit März 2024 über das Online-Register. Liegt nichts vor, entscheiden die Angehörigen nach dem mutmaßlichen Willen.

Die Folge ist eine der niedrigsten Spenderquoten Europas. 2025 kamen in Deutschland rund 13 postmortale Spender auf eine Million Einwohner, bei etwa 985 Spendern insgesamt – während rund 8000 Menschen auf ein Organ warteten. Ein Versuch, das zu ändern, scheiterte 2020 im Bundestag: Die Abgeordneten lehnten die Widerspruchslösung mit 379 Nein-Stimmen ab. Jetzt nimmt das Thema wieder Fahrt auf. Eine fraktionsübergreifende Gruppe um Gitta Connemann (CDU) und Ricarda Lang (Grüne) wirbt erneut für die Regelung.

So gesehen kommt Mette-Marits Fall zur passenden Zeit. Eine Kronprinzessin, die offen über ihre Krankheit spricht und am Ende eine neue Lunge bekommt – das ist eine Geschichte, die berührt. In Norwegen hat sie messbar etwas bewegt. Ob sie auch die deutsche Debatte verschiebt, wird sich zeigen.

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