Die Weltwetterorganisation (WMO) hat vor einem bevorstehenden El-Niño-Ereignis gewarnt, das in den kommenden Monaten zu erheblichen Wetterextremen führen könnte. Nach Einschätzung von Meteorologen wird das Klimaphänomen vor allem zwischen Juni und August spürbar sein und möglicherweise bis November anhalten. Die UN-Behörde prognostiziert überdurchschnittliche Temperaturen in weiten Teilen der Welt und rechnet mit einem moderaten bis starken El Niño.
WMO-Chefin: Vorbereitung auf starkes Ereignis nötig
WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo betonte die Dringlichkeit der Vorbereitung: „Wir müssen uns auf ein potenziell starkes El-Niño-Ereignis vorbereiten, das Dürren und schwere Regenfälle verschärfen und das Risiko von Hitzewellen an Land und im Meer erhöhen wird.“ Das natürlich auftretende Wetterphänomen zeichnet sich durch eine Erwärmung der Wasseroberfläche im Pazifik aus, was weltweit Wind, Luftdruck und Niederschläge beeinflusst. Typischerweise tritt El Niño alle zwei bis sieben Jahre auf und dauert zwischen neun und zwölf Monaten.
Vorhersagemodelle: Mindestens mäßiger El Niño erwartet
Den meisten Vorhersagemodellen zufolge werde der kommende El Niño „mindestens mäßig und möglicherweise stark“ ausgeprägt sein, erklärte die WMO in ihrem vierteljährlichen Update. Der vorherige El Niño hatte dazu beigetragen, dass 2023 und 2024 global die wärmsten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen waren. Zwischen Ende April und Mitte Mai lagen die Temperaturen an der Meeresoberfläche in Teilen des Pazifiks knapp unter der El-Niño-Schwelle, während sie unter der Oberfläche mehr als sechs Grad Celsius über den Normalwerten betrugen.
Globale Auswirkungen: Hitzewellen und Niederschlagsänderungen
Die WMO erwartet zwischen Juni und August nahezu weltweit überhöhte Temperaturen. Am Horn von Afrika, in Südasien und Mittelamerika wird weniger Niederschlag als normal prognostiziert. UN-Generalsekretär António Guterres warnte in einer Videobotschaft: „El Niño steht vor der Tür.“ Die damit verbundenen Wetterbedingungen drohten „Öl ins Feuer einer sich erhitzenden Welt“ zu gießen. Er forderte eine Klimapolitik „auf der Höhe der Krise“ mit einem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und einem Umstieg auf erneuerbare Energien. Zudem müssten Frühwarnsysteme für Unwetter ausgebaut werden.
Klimawandel verstärkt Extremwetter
Den UN-Experten zufolge gibt es bislang keine Belege dafür, dass der Klimawandel die Häufigkeit oder Intensität von El Niños erhöht. Allerdings könne der Klimawandel die mit dem Wetterphänomen einhergehenden Extremwetterereignisse verstärken. Die Kombination aus natürlicher Klimavariabilität und menschengemachter Erderwärmung könnte die Auswirkungen von El Niño noch gravierender machen. Experten raten daher zu verstärkten Vorsorgemaßnahmen, insbesondere in besonders gefährdeten Regionen.



